Reinhardt für Augenmerk auf Kinder bei Coronakurs

Berlin – Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Klaus Reinhardt, fordert von Bund und Ländern rechtzeitige Planungen für die Coronastrategie im Herbst mit besonderem Augenmerk auf Kinder und Jugendliche. „Die Zeit drängt“, sagte der Chef der Bundesärztekammer.
„Spätestens die nächste Ministerpräsidentenkonferenz am 2. Juni muss die Weichen für einen sicheren Betrieb von Schulen und Kitas stellen.“ Kinder hätten wie kaum eine andere Bevölkerungsgruppe Schutzmaßnahmen ertragen und einen großen Solidarbeitrag geleistet. „Wir sind verpflichtet, den Kindern jetzt etwas zurückzugeben.“
Die Auswirkungen der Coronakrise auf Kinder und Jugendliche sind ein Schwerpunktthema des 126. Deutschen Ärztetages, der morgen in Bremen beginnt. „Coronainfektionen verlaufen bei jungen Menschen fast immer sehr milde“, erläuterte Reinhardt.
Die Ärzteschaft habe aber früh auf Kollateralschäden der Coronaeindämmungsmaßnahmen für Kinder wie soziale Isolation, Bewegungsmangel, Bildungsdefizite oder Gewalt zu Hause hingewiesen.
Eine Vielzahl von Studien zeige eine deutliche Zunahme psychischer Auffälligkeiten oder den Verlust von Lebensqualität bei jungen Menschen. „Hier stehen die Bildungs- und Entwicklungschancen einer ganzen Generation auf dem Spiel.“
Beim Ärztetag solle mit Fachleuten intensiv darüber diskutiert werden, wie negative psychosoziale Folgen der Pandemie für Heranwachsende eingedämmt werden könnten. Eine entscheidende Rolle hätten Schulen und Kindertagesstätten, sagte Reinhardt.
„Wenn man den Versprechungen der Politik glaubt, soll alles getan werden, um erneute flächendeckende Schließungen zu verhindern.“ Mit Spannung werde daher ein von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) angekündigter Pandemiemasterplan für den Herbst erwartet. „Hier dürfen die Kinder nicht wieder vergessen werden.“
Der BÄK-Präsident betonte, eine möglichst hohe Impfquote sei für eine wirksame Coronastrategie weiterhin essenziell. „Wir sollten jetzt nicht mehr Debatten von gestern führen und über das Scheitern der allgemeinen Impfpflicht lamentieren.“
Es müsse nun alles dafür getan werden, die Impfquote weiter zu steigern. Impfstoffe seien das wirksamste Instrument zum Schutz vor schweren Coronaverläufen und für eine Rückkehr in die vorpandemische Normalität. Das müsse den Menschen noch verständlicher dargebracht werden.
„Die bisherigen Impfkampagnen waren halbherzig und uninspiriert. Da gibt es noch viel Luft nach oben“, sagte Reinhardt. „Ich wünsche mir eine mutige, multimediale Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, über die die Menschen in der U-Bahn oder am Abendbrottisch diskutieren.“
Jede Impfung zähle, gerade mit Blick auf Herbst und Winter. In Betracht ziehen könnte man auch materielle Impfanreize, die für unterschiedliche Zielgruppen interessant seien. „Mit konventionellen Kampagnen kommen wir jedenfalls nicht weiter.“
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