Ärzteschaft

Reinhardt: Nachfolgesuche für Einzelpraxen schwierig

  • Freitag, 19. April 2024
/picture alliance, Sebastian Gollnow
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Berlin – Die Einzelpraxis ist nach Meinung des Präsidenten der Bundesärztekammer (BÄK) nicht das Zukunfts­modell. Es habe zwar absolut seine Berechtigung, allerdings sei auch beobachtbar, dass es in solchen Struktu­ren besonders schwierig sei, eine Nachfolge zu finden, sagte Klaus Reinhardt in einer neuen Folge des Pod­cast „Sprechende Medizin“ der BÄK zum Thema Ärztestatistik 2023.

„Einfacher ist es in etwas komplexeren Strukturen, wo mehrere Nichtgleichaltrige gemeinsam tätig sind“, so Reinhardt. Das sei die Zukunft. „Wir können jedenfalls beobachten, dass solche Einrichtungen sich leichter tun, Nachwuchs zu finden.“

Darüber hinaus betonte Reinhardt die Bedeutung der niedergelassenen Ärzte. „Nur angestellt geht nicht“, sagte er. Es sei denn, man wolle sich beim Staat anstellen lassen und am Schluss eine Staatsmedizin haben. Wer wolle, dass es weiterhin wirtschaftlich unabhängige, nicht weisungsgebundene Ärzte gebe, der müsse die Niederlassung auch bewerben und befördern.

Kritisch äußerte sich Reinhardt zu den sogenannten von Investoren getragenen Medizinischen Versorgungs­zentren (MVZ), den IMVZ. „Ich habe nichts dagegen, wenn ein Investor Geld anlegt und sagt, das Gesundheits­wesen erscheint uns ein stabiler und krisensicherer Markt. Wir wollen dort investieren“, sagte Reinhardt.

Problematisch sei aber, wenn die Gewinnerwartung des Investors dem Gesundheitswesen nicht gut tue. Oder wenn der Investor versuche, auf das Leistungsgeschehen und das ärztliche Gebaren in irgendeiner Form Einfluss zu nehmen. „Dafür gibt es durchaus Hinweise“, so der BÄK-Präsident.

Die BÄK veröffentlichte heute auch neue Zahlen zur Versorgung mit Ärzten. Demnach stieg die Zahl der be­rufs­tätigen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland bis Ende 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent auf rund 428.000. Die Zahl aller gemeldeten Ärzte in Deutschland stieg um zwei Prozent auf rund 569.000 Perso­nen.

Die Zahl der Mediziner ohne deutsche Staatsangehörigkeit erreichte Ende vergangenen Jahres mit knapp 64.000 eine neue Höchstmarke. Ende 2022 waren es demnach 59.900.

Das deutsche Gesundheitswesen habe erneut vom Zuzug profitiert, wobei der Zuwachs nun nach mehreren Jahren wieder stärker ausgefallen ist. Binnen zehn Jahren habe sich die Zahl verdoppelt, vor 30 Jahren seien es nur etwa 10.000 ausländische Ärztinnen und Ärzte gewesen.

Die meisten kamen laut Ärztestatistik mit Stand vom 31. Dezember 2023 aus Europa (42.548). Wichtigste einzelne Herkunftsländer sind demnach Syrien (6.120), Rumänien (4.668), Österreich (2.993), Griechenland (2.943), Russland (2.941) und die Türkei (2.628). Im Gegenzug hätten 2023 knapp 2.200 Ärzte Deutschland verlassen, die Zahl der Rückkehrer sei nicht bekannt.

hil/sb/dpa/may

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