Rheumatologen fordern mehr Genderforschung
Bochum/Berlin – Auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Entwicklung und dem Verlauf der rheumatoiden Arthritis (RA) hat die Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) hingewiesen. Frauen erkranken etwa ein Jahrzehnt früher als Männer. Der Anteil der Frauen mit RA, die starke Schmerzen angeben, ist deutlich höher als der der männlichen Patienten. Je nach Altersgruppe liegt der Anteil von RA-Patientinnen mit massiven Gelenkschmerzen zwischen 15 und 25 Prozent, bei Männern sind es 9 bis 21 Prozent.
„Dieser Unterschied wird ab dem 60. Lebensjahr besonders deutlich“, sagte Erika Gromnica-Ihle, Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga. Auch die Begleiterkrankungen seien bei RA-Frauen andere als bei Männern. Frauen litten eher an Osteoporose und Depressionen, während bei Männern Herzkrankheiten oder Diabetes Typ 2 gehäuft aufträten.
„Diese Unterschiede sind nicht nur biologisch bedingt“, ist die Berliner Rheumatologin überzeugt. Auch gesellschaftliche und psychologische Faktoren spielten eine Rolle. So suchten Frauen nach dem Auftreten der ersten RA-Symptome viel später einen Rheumatologen auf. Vor allem ältere Frauen erhielten zudem deutlich seltener eine Biologika-Therapie als gleichaltrige Männer.
„Um die Krankheitslast von Rheuma-Patienten zu reduzieren, sollten wir auch den geschlechtsspezifischen Unterschieden größere Aufmerksamkeit widmen“, fordert daher auch Jürgen Braun, diesjähriger Kongresspräsident der DGRh, Herne. Da Männer und Frauen ihre Erkrankung unterschiedlich wahrnehmen, müssten Rheumatologen Verlauf und Stärke der RA mit unterschiedlichen Messmethoden beurteilen. „Auch die Therapie müssen wir an diese geschlechtsspezifischen Besonderheiten anpassen“, ergänzte Braun.
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