Politik

RKI: Erhöhte Risikowahrnehmung, aber Kluft zwischen Wissen und Handeln

  • Montag, 23. März 2020
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Berlin - Die Risikowahrnehmung in der deutschen Bevölkerung ist einer Umfrage des Robert-Koch-Instituts und der Universität Erfurt zufolge deutlich gestiegen. „Das sei eine sehr gute und wichtige Information“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler heute in Berlin. Dennoch gebe es immer noch „eine Kluft zwischen dem Wissen der Bevölkerung und dem Handeln“.

Er appellierte erneut nachdrücklich an die Menschen, sich an die von Bund und Ländern getroffenen Maßnahmen wie Kontaktverbote und einen Mindestabstand von eineinhalb Metern zu anderen Menschen zu halten.

Die wöchentliche Onlineumfrage beschäftigt sich mit der subjektiven Einschätzung der Risiken durch das Coronavirus, das Wissen über Gegenmaßnahmen und deren Umsetzung. Nach den zuletzt am Freitag von der Universität veröffentlichten Ergebnissen stiegen im Vergleich zur Vorwoche die emotionale Besorgnis und die Risikowahrnehmung deutlich, auch suchen die Menschen häufiger nach Informationen.

Vorsichtig optimistsich

Selbst einfache Schutzmaßnahmen werden demnach aber nur unzureichend umgesetzt.
Wieler zeigte sich dennoch vorsichtig optimistisch, dass die vor einer Woche getroffenen Maßnahmen in Deutschland bald greifen könnten: „Wir sehen den Trend, dass sich die exponentielle Wachstumskurve etwas abflacht", sagte er. Für wirklich fundierte Aussagen sei es aber noch zu früh. Übermorgen könne der Trend definitiv besser bewertet werden.

„Aber ich bin optimistisch, dass diese Maßnahmen schon jetzt sichtbar sind − was sehr früh ist, weil sie ja erst seit einer Woche wirklich gefahren werden“, sagte der RKI-Präsident.

Außerdem schließt das RKI demnach aus Handydaten, dass sich die Mobilität in Deutschland zuletzt schon reduziert habe − aber es reiche noch nicht, so Wieler. Dieser Effekt werde sich nun aber durch die gestern verkündeten, verschärften Maßnahmen verstärken.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich gestern mit den Ministerpräsidenten der Länder darauf geeinigt, die Versammlungsfreiheit bundesweit massiv einzu­schränken. Unter anderem sind Kontakte von mehr als zwei Menschen im öffentlichen Raum seit heute verboten.

Neben dem Schutz von Risikogruppen und der Erhöhung der Kapazität des Gesundheits­systems sei das Ziel auch weiterhin „Infizierte und Erkrankte so früh wie möglich zu erkennen und zu isolieren, Kontakte zu identifizieren und in Quarantäne abzusondern“, ergänzte Wieler.

Medizinstudierende sollen bei der Nachverfolgung helfen

Um dieses Ziel zu erreichen, hat das RKI unter anderem Medizinstudierende aufgerufen, sich als Containment Scouts zu bewerben. „Sie sollen den Gesundheitsämtern vor Ort bei der Kontaktnachverfolgung helfen“, berichtete Wieler. „Es gibt schon eine große Anzahl an Bewerbungen.“ Tatsächlich nimmt das RKI aufgrund des immensen Interesses aktuell keine weiteren Bewerbungen an.

Dennoch forderte er erneut Landräte, Oberbürgermeister und Bürgermeister auf, den Gesundheitsämtern Kräfte aus anderen Verwaltungsbereichen zur Verfügung zu stellen, um dieses Ziel zu erreichen.

Die aktuellen Zahlen

Den elektronisch an das RKI übermittelten Zahlen zufolge sind bis heute 22.672 Menschen an COVID-19 erkrankt, das sind 4.062 mehr als am Vortag. Die Inzidenz liegt nun bei 27 Fällen pro 100.000 Einwohnern. 86 Menschen sind an der Erkrankung verstorben.

Allerdings seien am Wochenende nicht aus allen Gesundheitsämtern Daten übermittelt worden, weshalb die genannten Fallzahlen nicht dem tatsächlichen Anstieg entsprächen. Die Daten würden heute nachübermittelt und ab morgen auch in dieser Statistik verfügbar sein.

Die Johns Hopkins University meldete heute (Stand 13:17 Uhr) 26.220 Infizierte und 111 Todesfälle in Deutschland.

Wieler wies darauf hin, dass bis gestern von den bisher bestätigten COVID-19-Patienten mindestens 2.809 Menschen genesen seien. Da es sich dabei aber um eine konservative Zählung handele, sei von weitaus mehr genesenen Patienten auszugehen.

nec/dpa

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