Diabetisches Fußsyndrom: Nach hoher Amputation stirbt jeder Zweite innerhalb von fünf Jahren

Berlin – Das diabetische Fußsyndrom (DFS) ist weiterhin die häufigste Ursache für Amputationen oberhalb des Sprunggelenks in Deutschland. Das geht aus dem neuen Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2023 hervor. Laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erfolgen mehr als 70 % der Amputationen an Zehen, Füßen und Beinen bei einem DFS.
Bei diesem Krankheitsbild ist das Druck- und Schmerzempfinden in den Füßen und Beinen gestört, weshalb Betroffene kleine, aber auch größere Verletzungen häufig nicht rechtzeitig bemerken. Durch das fehlende Schmerzempfinden werden verwundete Extremitäten nicht geschont und immer wieder neu verletzt.
Unbehandelt oder zu spät behandelt könne jede kleine Verletzung zu schweren Folgen führen, von der Bildung von Geschwüren bis hin zum Absterben von Gewebe und dadurch zur Amputation von Zehen, Fuß oder Bein, erläuterte Michael Eckhard, ärztlicher Leiter des Diabeteszentrums am Uniklinikum Gießen/Marburg heute bei der Kongresspressekonferenz der Herbsttagung der DDG.
Ein wichtiges zusätzliches Problem des DFS ist laut Fachgesellschaft, dass in rund jedem zweiten Fall zusätzlich eine Durchblutungsstörung vorliegt, die eine Wundheilung betroffener Körperteile behindert. Die Patienten benötigten daher eine rasche und langfristige Betreuung.
„Sie sollten direkt zu Behandlungsbeginn an spezialisierte Einrichtungen mit einem multidisziplinären Behandlungsteam überwiesen werden“, forderte Eckhard und weiter: Es sei internationaler Konsens, dass die frühzeitige Überweisung bei akutem diabetischem Fußsyndrom die Rate an Amputationen signifikant zu verringern vermöge.
Die Versorgungsrealität ist jedoch eine andere: Überweisungen an strukturierte Fußbehandlungseinrichtungen erfolgen zu spät und strukturierte Fußbehandlungseinrichtungen seien noch nicht flächendeckend deutschlandweit vorhanden, kritisierte der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß der DDG.
„Das Sterberisiko im Zusammenhang mit einer hohen Amputation wegen eines DFS ist alarmierend: Mehr als die Hälfte (56,6 %) wird nach fünf Jahren verstorben sein“, schreiben die Autoren im Gesundheitsbericht Diabetes 2023.
Die DDG fordert daher, eine Amputation immer durch eine Zweitmeinung abzusichern. Dies sei ein gesetzlich verbrieftes Patientenrecht, das in der Versorgungswirklichkeit allerdings noch nicht angekommen sei, heißt es in einer Pressemitteilung der DDG.
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