Ärzteschaft

Fachgesellschaft fordert mehr Anstrengungen bei der Suizidprävention

  • Donnerstag, 7. September 2017
/Syda Productions, stock.adobe.com
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Berlin – „Höchste Priorität“ für die Suizidprävention. Das hat heute die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) im Vorfeld des Welttages der Suizidprävention am 10. September gefordert. Das diesjährige Motto des Tages, der seit 2004 stattfindet, lautet „Nimm dir Zeit, sprich an, hör zu – gib Hoffnung“.

„Alle 40 Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Mensch an Suizid. Noch weit mehr Menschen versuchen, sich das Leben zu nehmen“, sagte heute der Präsident der Fachgesellschaft, Arno Deister. Er betonte, Suizide träten in allen Altersstufen auf und verursachten mehr Tode als alle Kriege und Naturkatastrophen zusammen.

Unterversorgung mitverantwortlich

Mitverantwortlich für eine große Zahl von Suiziden macht die DGPPN eine Unter­versorgung von psychisch Kranken in Deutschland. Hierzulande stünden bis zu neun von zehn Selbstmorden im Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung, erklärte die Fachgesellschaft. Niedrigschwellige Hilfs- und Unterstützungsangebote seien besonders wichtig. Diese fehlten aber in ausreichender Zahl. Aktuelle Erhebungen zeigten, dass zum Beispiel 18 Prozent der Menschen mit schweren Depressionen gar nicht behandelt werden, kritisierte Deister.

Die Fachgesellschaft fordert außerdem mehr Forschung zum Thema: Noch gebe es viele offene Fragen, zum Beispiel was die Neurobiologie suizidalen Verhaltens anbelange, so der DGPPN-Präsident. Wichtig sei zudem, das Wissen über Suizid und psychische Erkrankungen im Gesundheitswesen und in der Bevölkerung zu fördern. „Denn den meisten Suiziden gehen Warnsignale voraus. Je besser diese erkannt werden, desto früher kann man die Betroffenen dazu ermutigen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen“, sagte Deister.

Vor einem Abbau von Beratungsstellen warnte anlässlich des Welttages die Leiterin der Krisenbegleitung der Duisburger Telefonseelsorge, Rosemarie Schettler. Niedrig­schwelli­ge Hilfen wie Sozialdienste in Krankenhäusern würden jedoch in vielen Fällen abgebaut, kritisierte sie. 7,3 Prozent aller Anrufe, die bei der Telefonseelsorge ein­gehen, beziehen sich nach Angaben der Expertin direkt auf das Thema Suizid. „Das sind bundesweit 144 Gespräche am Tag zum Thema Suizid, die allein bei der Telefon­seelsorge geführt wurden“, sagte sie.

In Deutschland sterben pro Jahr rund 10.000 Menschen an einem Suizid.

hil

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