Henke warnt vor Aufweichung von Behandlungsstandards durch den Ärztemangel
Düsseldorf – Vor einem Aufweichen von Standards aufgrund des Ärztemangels hat der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke, gewarnt. Es sei nicht zielführend, „ureigene ärztliche Tätigkeiten“ auf andere Berufsgruppen zu übertragen, „frei nach dem Motto: ‚Ist die Doktorstunde zu teuer, dann machen das halt mal nicht ärztliche Gesundheitsberufe oder der Arzt light‘“, sagte er auf der Vertreterversammlung der Ärztekammer Nordrhein am vergangenen Wochenende.
Henke – der auch Vorsitzender des Marburger Bundes ist – warnte in diesem Zusammenhang vor einer Überschätzung der Telemedizin. Auch die Digitalisierung sei kein „Allheilmittel für die Zukunft“, betonte der Kammerpräsident. Er sei davon überzeugt, „dass die zum Teil durchaus positiven Entwicklungen der Telemedizin und Telematik bei Big Data oder Genforschung ihre Effekte nicht entfalten werden, wenn es uns nicht gelingt, unser Gesundheitswesen in Stadt und Land mit ausreichend motivierten, gut weitergebildetem und gut bezahltem Personal auszustatten“, so Henke.
Gerade die alternde Gesellschaft und die zunehmende Digitalisierung würden dazu beitragen, dass der ärztliche Beruf in Zukunft noch mehr gefragt sein werde als heute, „weil nämlich die Patienten unsere Expertise, unser empathisches Wort und unsere menschliche Zuwendung im digitalen Zeitalter mehr denn je brauchen und einfordern werden“, sagte er.
Die Versorgung werde allerdings zunehmend schwieriger, denn in den nächsten fünf Jahren plane jeder vierte niedergelassene Arzt, aus Altersgründen seine Praxis aufzugeben. „Laut Deutschem Krankenhausinstitut können 5.000 Arztstellen derzeit nicht besetzt werden“, schilderte Henke und begrüßte zugleich die für 2019 geplante Einführung von Personaluntergrenzen im Pflegedienst. „Wir fordern diese auch für den ärztlichen Dienst ein.“ Damit sei allerdings die Situation des Personalmangels nicht entschärft, „denn der Personalmarkt an qualifizierten Fachärzten und Pflegekräften ist leergefegt“, so der Kammerpräsident.
Gegen die Landarztquote
Die Kammerversammlung forderte die künftige Bundesregierung auf, die Zahl der Medizinstudienplätze um 20 Prozent zu erhöhen und den „Masterplan Medizinstudium 2020“ inklusive seiner Finanzierung rasch umzusetzen. Henke forderte seinen Parteikollegen, den nordrhein-westfälischen Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), auf, von der Landarztquote „abzukehren“.
„Ich halte das für ziemlich lebensfremd, von 18-Jährigen zu verlangen, sich zu entscheiden, was sie mit 30 machen wollen“, sagte er. Effektiver ist es seiner Ansicht nach, mehr Lehrstühle und mehr Studienplätze in der Allgemeinmedizin einzurichten, die ambulante Weiterbildung zu fördern und finanzielle Förderprogramme zur Niederlassung auf dem Land auszubauen.
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