Protonenpumpeninhibitoren: Beratung soll Überversorgung abbauen

Berlin – Protonenpumpeninhibitoren (PPI) gehören zu den am häufigsten verordneten Medikamenten. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) weist jetzt darauf hin, dass eine digitale Entscheidungshilfe hilfreich ist, um eine Überversorgung mit den Medikamenten abzubauen.
Eine vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) geförderte Untersuchung mit Routinedaten der AOK Bayern und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns ergab kürzlich Hinweise für ein erhöhtes Demenzrisiko bei PPI-Langzeiteinnahme.
Laut Untersuchung waren etwa 40 Prozent der über 85-Jährigen PPI-Nutzer. Etwa ein Drittel der Nutzer erhielt Verschreibungen, die eine Behandlung über mehr als sechs Monate ermöglichten.
„Wir als Fachgesellschaft setzen uns intensiv dafür ein, Überversorgung in der Medizin als strukturelles Problem wahrzunehmen und abzubauen“, sagte DEGAM-Präsident Martin Scherer. Die oft dauerhaften Verordnungen von PPI seien ein gutes Beispiel für die „ganz alltägliche Überversorgung in der Medizin“, so der Experte.
Eine groß angelegte und ebenfalls vom Innovationsfonds geförderte Untersuchung in Zusammenarbeit der Universitäten Marburg, Düsseldorf und Witten/Herdecke konnte zeigen, dass es mit dem digitalen Beratungsprogramm „arriba-PPI“ gelingt, die Verordnungen zu senken: 143 Hausarztpraxen wurden randomisiert der Beratung mit „arriba-PPI“ zugeteilt, in der Kontrollgruppe wurden die Patienten in herkömmlicher Weise behandelt.
Ausgewertet wurden die Verordnungsdaten von 2.370 Patientinnen und Patienten in den teilnehmenden Praxen, außerdem Verordnungsdaten der Krankenkassen AOK Nordwest und Hessen sowie der Barmer.
In jeder zweiten Beratung mit arriba-PPI einigten sich Arzt und Patient auf ein Absetzen oder auf ein Reduzieren der PPI-Medikation. Sechs Monate nach dem Gespräch waren die PPI-Verordnungsdaten in der arriba-PPI-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe um 22 Prozent niedriger.
„Vor dem Hintergrund des zunehmenden Polypharmazierisikos sollten wir als Ärztinnen und Ärzte bei jedem Review der Patienten-Medikamentenpläne die PPI-Einnahme kritisch reflektieren“, sagte Annika Viniol, stellvertretende Sprecherin der Sektion Forschung der DEGAM und Mitautorin der Analyse.
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