Viele Ärzte sehen Krankenhausreform pessimistisch entgegen
Berlin – Eine Mehrheit der Ärzte in Deutschland betrachtet die angedachten Pläne aus dem Bundesgesundheitsministerium für eine Krankenhausreform eher pessimistisch. Das zeigt eine Umfrage, die gestern knapp 400 Mediziner im Rahmen einer Onlineveranstaltung des Marburger Bundes (MB) zum Thema Reformierung der Krankenhauslandschaft beantwortet haben.
Der nicht repräsentativen Umfrage zufolge denken 56 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzten, dass sich durch die geplante Reform der Krankenhausvergütung die Rahmenbedingungen für die Versorgung nicht verbessern werden.
14 Prozent der Befragten zeigten sich hingegen optimistisch und sind der Überzeugung, dass sich die Rahmenbedingungen für die Versorgung entsprechend verbessern werden. 29 Prozent gaben an, dies nicht zu wissen.
Die Vergütung sei nur ein Baustein der Reform, betonte gestern der Gesundheitssystemforscher Reinhard Busse, der auch Teil der Regierungskommission Krankenhaus ist. Die Kommission hatte Anfang Dezember 2022 ihre Empfehlungen zu einer grundlegenden Krankenhausreform vorgelegt.
„Wenn sich nur die Vergütung verändern würde, würden sich die grundlegenden Rahmenbedingungen nicht verbessern“, sagte Busse. Deshalb müsse man die verschiedenen Komponenten, etwa die Neuordnung des Systems durch die Einführung von Leistungsgruppen und Levels berücksichtigen. Richtig sei aber auch, dass viele im Gesundheitssystem noch skeptisch seien und erst noch überzeugt werden müssten.
Die Vorsitzende des MB, Susanne Johna hatte ungefähr mit dem Ergebnis der Umfrage gerechnet. Viele machten sich Sorgen, wenn das diagnosebezogene Fallpauschalensystem (DRG) bleibe und sich mit den geplanten 40 Prozent Vorhaltekosten nicht viel ändern werde, so Johna. Der MB sei deshalb der Meinung, dass die ärztlichen Personalkosten ähnlich wie die Pflegekosten aus dem DRG-System ausgegliedert werden müssten.
Verständnis für das Drittel, dass die Situation noch nicht so gut einschätzen könne, zeigte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß.
Die geplante Reform sei sehr komplex und das Problem der strukturellen Unterfinanzierung der Krankenhäuser werde durch die Reform zunächst nicht gelöst. Auch das Problem der unzureichend finanzierten Investitionskosten werde nicht mit den bisher vorgelegten Vorschlägen angegangen, betonte er kritisch.
Für die Reform sei aber wichtig zu beantworten, ob ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, um den wirtschaftlichen Druck der Krankenhausmitarbeiter zu reduzieren. Damit müsste insbesondere in zusätzliches Personal und ambulante Prozesse investiert werden, so Gaß.
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