Westfalen-Lippe: Neuer Streit über die Notfallversorgung
Münster/Frankfurt am Main – Die Ärztekammer Westfalen-Lippe hat die neuen Regelungen zur Versorgung von Patienten in den Notaufnahmen der Krankenhäuser kritisiert. „Ab April soll mit einer Abklärungsdiagnostik per ,Kurz-Check’ entschieden werden, ob ein Patient in der Notaufnahme behandelt wird oder ob er mit seinem Problem an den ärztlichen Notdienst der niedergelassenen Ärzte verwiesen wird“, erläuterte der Präsident der Kammer, Theodor Windhorst. „Dieses Vorgehen kann für Patienten wie für Ärzte in den Notaufnahmen der Kliniken gleichermaßen gefährlich werden“, warnte er.
Der Erweiterte Bewertungsausschuss hatte Anfang Dezember 2016 eine neue sogenannte Abklärungspauschale festgelegt: Die Kliniken sollen 4,74 Euro (nachts 8,42 Euro) erhalten, wenn nach Abklärung eines Notfalls entschieden wird, dass ein Patient auch von einem niedergelassenen Arzt behandelt werden könnte und dorthin verwiesen wird. Hintergrund ist, dass immer mehr Patienten die Notaufnahmen von Krankenhäusern aufsuchen, die eigentlich auch von niedergelassenen Ärzten versorgt werden könnten – während der normalen Praxiszeiten oder vom ärztlichen Bereitschaftsdienst.
„Diese Abklärungspauschale ist Unsinn. Es ist unverantwortlich, wenn für ein solches Linsengericht die Gefahr einer Schnellschuss-Diagnostik von Notfällen in Kauf genommen wird“, kritisierte Windhorst. Er sieht bei der geplanten Regelung mehrere Probleme: „Assistenzärzte, die in den Krankenhaus-Notaufnahmen Dienst tun, arbeiten zwar nach Facharzt-Standard, haben aber den Status eines Facharztes noch nicht. Sie können die ,Abschiebe-Abklärung‘ deshalb nicht verantworten“, so Windhorst. Außerdem befürchtet er, für die ärztliche Abklärung der Beschwerden eines Patienten werde künftig zu wenig Zeit zur Verfügung stehen.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: