Vermischtes

Deutsche Krebsgesellschaft: Einsatz für qualitätsgesicherte onkologische Versorgung

  • Montag, 29. September 2025
Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) stehe für Pluralismus und Demokratie und habe sich zu Toleranz, Mitmenschlichkeit und Vielfalt verpflichtet, sagte DKG-Präsident Michael Ghadimi (rechts im Bild) im Gespräch mit Bundestagspräsident a.D. Norbert Lammert (CDU). /DKG, Peter-Paul Weiler
Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) stehe für Pluralismus und Demokratie und habe sich zu Toleranz, Mitmenschlichkeit und Vielfalt verpflichtet, sagte DKG-Präsident Michael Ghadimi (rechts im Bild) im Gespräch mit Bundestagspräsident a.D. Norbert Lammert (CDU). /DKG, Peter-Paul Weiler

Berlin – Trotz großer Fortschritte in Prävention, Früherkennung und Therapie sieht die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) die onkologische Versorgung in Deutschland unter Druck. Das wurde am vergangenen Freitag bei einer Festveranstaltung zum 125-jährigen Bestehen der größten onkologischen Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum deutlich.

Steigende Behandlungskosten, knappe Ressourcen im Gesundheitssystem und die Anforderungen der personalisierten Medizin stellten große Herausforderungen dar, sagte Johannes Bruns, der seit fast 20 Jahren die DKG als Generalsekretär leitet, anlässlich des Jubiläums. Nach wie vor erkrankten in Deutschland jährlich rund 500.000 Menschen neu an Krebs.

Die Krebsgesellschaft trat deshalb bei ihrer Festveranstaltung am 26. September explizit für die vielen Krebspatientinnen und -patienten ein. Sie forderte die Politik auf, die Krankenhausreform nachzubessern.

Es brauche in der Onkologie klare Qualitätsvorgaben, die an zertifizierte onkologische Zentren gekoppelt seien, stellte die Fachgesellschaft erneut klar. Zudem seien höhere Investitionen in die europäische Arzneimittelsouveränität und eine faire Preisgestaltung für Generika nötig, um Lieferengpässe bei wichtigen Krebsmedikamenten zu vermeiden.

Weitere Forderungen sind die Stärkung von Prävention und Früherkennung, Ausbau von Forschung und personalisierter Medizin, ein erleichterter Zugang zu Forschungs- und Versorgungsdaten sowie eine engere Verzahnung von Forschung und klinischer Praxis. Ferner müsse die 2019 gestartete „Nationale Dekade gegen Krebs“ verstetigt werden, um die bisherigen Initiativen nachhaltig zu sichern, so die DKG.

Die Fortschritte in der Onkologie seien enorm, betonte DKG-Präsident Michael Ghadimi. „Die Behandlung einer Krebserkrankung ist so spezialisiert und komplex, dass heute verschiedene Fachexpertinnen und -experten interdisziplinär zusammenarbeiten müssen, damit sie gelingt“, erklärte der Chirurg.

Mit besonderem Erfolg geschehe das in den zertifizierten Zentren, die die DKG ins Leben gerufen habe. Moderne Therapien verlängerten nicht nur die Lebenserwartung vieler Betroffener, sondern verbesserten auch deren Lebensqualität spürbar. „Für viele Menschen ist Krebs schon längst kein zwingendes Todesurteil mehr“, hob Ghadimi hervor.

Der DKG-Präsident würdigte in seiner Festrede aber auch die lange Geschichte der Fachgesellschaft. Sie habe zahlreiche Brüche überstanden – von der Zeit des Nationalsozialismus über die deutsche Teilung bis hin zum Mauerfall.

„Nur Dank des ehrenamtlichen Engagements und des Forschergeists der Mitglieder gelang es der DKG, sich immer wieder neu zu erfinden, Wissen zu erweitern und dieses in die Versorgung einzubringen“, betonte Ghadimi.

Einen ausführlichen Blick auf die Geschichte der DKG warf der Medizinhistoriker Peter Voswinckel und erinnerte dabei besonders an die jüdischen Gründungsväter und -mütter der DKG aus dem Jahr 1900, wie Ernst von Leyden und Marie von Leyden.

Zwei Drittel des damaligen „Comité für Krebssammelforschung“ seien Juden gewesen, deren Lebenswege oft erst durch nachträgliche Forschungen bekannt wurden. Viele von ihnen wären dann während der NS-Zeit aus antisemitischen oder politischen Gründen entlassen worden.

Heute stehe die DKG für Pluralismus und Demokratie, betonte Ghadimi im Gespräch mit dem Festredner und ehemaligen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU).

Lammert hatte zuvor in seiner Rede darauf hingewiesen, dass im Hinblick auf die Demokratie in Deutschland sowohl Besorgnis als auch Zuversicht gerechtfertigt sei. Demokratische Systeme seien aus strukturellen Gründen nicht komplett stabil, da Grundrechte auch für ihre Widersacher gelten würden.

Anlässlich des Jubiläums wurde der Ernst-von-Leyden-Preises der Deutschen Krebsgesellschaft verliehen. Ihn erhielt der Onkologe und ehemaligen DKG-Präsident Wolff Schmiegel, der als ein Pionier der evidenzbasierten Krebstherapie gilt. 

ER

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