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Pharmaverband sieht mehr Engpässe bei versorgungskritischen Medikamenten

  • Donnerstag, 4. Dezember 2025
/2Design, stock.adobe.com
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Berlin – Bisherige Schritte der Politik gegen Arzneimittelengpässe in Deutschland haben aus Sicht des Pharmaverbands Pro Generika nur begrenzt geholfen. Zwar habe sich die Versorgung bei Medikamenten für Kinder stabilisiert, doch bei versorgungskritischen Mitteln gebe es mehr Engpässe, bilanziert Pro Generika. „Eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht.“ Betroffen seien Antibiotika und ambulante Krebsmedikamente.

„Die Liste der Wirkstoffe, die als versorgungskritisch gelten und dennoch nicht verfügbar sind, ist länger geworden.“ Auffällig sei, dass europäische Hersteller bei Ausschreibungen von Antibiotika und Krebsmitteln bei nur etwa 50 Prozent der Wirkstoffe den Zuschlag erhielten. Investitionen in den Ausbau oder die Neuerrichtung von Werken in Europa seien ausgeblieben.

In Deutschland kommt es immer wieder zu Arzneimittelengpässen, etwa bei Schmerz- und Diabetesmitteln oder Antibiotika. 2022 wurden Paracetamol-Fiebersäften für Kinder knapp.

Die Politik reagierte im Sommer 2023 mit dem Lieferengpassbekämpfungsgesetz, mit dem unter anderem Preisregeln für Kinderarzneien gelockert und größere Arzneivorräte vorgeschrieben wurden. Pro Generika legt nun eine Bilanz vor, die das Berliner Forschungsinstitut IGES erstellt hat.

Ergebnis: Zumindest bei Kinderarzneimitteln sei die Zahl der Engpässe gesunken. Das Gesetz habe den richtigen Ansatz gehabt, sagte Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Generika: „Anreize für Unternehmen, damit diese sich nicht aus Kostengründen aus der Produktion verabschieden müssen.“ Jedoch würden noch immer 60 Prozent der Kinderarzneimitteln nur von einem einzigen Hersteller angeboten.

Bei Paracetamol-Fiebersäften ist Hauptanbieter der israelische Pharmakonzern Teva, Mutterkonzern von Ratiopharm aus Ulm. Andreas Burkhardt, Vorsitzender von Pro Generika und zugleich Deutschlandchef von Teva, lobt die Lockerung von Preisvorgaben, wie das Verbot von Rabattverträgen und Festbeträgen für Kinderarzneien. „Wir können den Fiebersaft jetzt kostendeckend produzieren. Das aber reicht noch nicht, um neue Unternehmen zur Produktion anzureizen.“

Pharmaverbände machen Kostendruck der Politik dafür mitverantwortlich, dass sich Arzneimittelhersteller in Deutschland teils aus der Produktion zurückgezogen haben. Sie könnten wegen der Preisregulierung für Medikamente steigende Kosten nicht an Kunden weitergeben.

Bei vielen Wirkstoffen ist Deutschland von China und Indien abhängig. Grund für Lieferengpässe seien Produktionsprobleme und eine hohe Nachfrage, schreibt das IGES-Institut.

Pro Generika fordert Entlastungen auch bei versorgungskritischen Arzneien. Das sei finanzierbar: Bisher seien nur wenige Millionen Euro angefallen, ein Bruchteil der kalkulierten Mehrkosten für das Lieferengpassbekämpfungsgesetz.

dpa

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