Ärzteschaft

S3-Leitlinie Multimorbidität weiterentwickelt

  • Donnerstag, 28. Mai 2026
/MQ-Illustrations, stock.adobe.com
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Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) hat zusammen mit weiteren Gesellschaften und Organisationen ihre Leitlinie zum Thema „Multimorbidität“ erweitert und in eine Living Guideline umgewandelt, die künftig jedes Jahr aktualisiert wird.

Die inhaltlichen Neuerungen betreffen beispielsweise das Thema Arzneimitteltherapiesicherheit, Schmerzmanagement und Harninkontinenz. Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) hat die Arbeit an der Leitlinie im Rahmen des Projekts „MULTImprove“ unterstützt. 

Bei einer Multimorbidität haben die Betroffenen gleichzeitig mehrere chronische Erkrankungen. Allerdings existieren unterschiedliche Definitionen, zum Beispiel sprechen manche Arbeitsgruppen von Multimorbidität, wenn der oder die Betreffende drei oder mehr chronische Diagnosen hat.

Andere verwenden den Begriff bereits bei zwei oder mehr chronischen Erkrankungen, gegebenenfalls in Kombination mit bestimmten Symptomkonstellationen. Die berichteten Häufigkeiten von Multimorbidität variieren daher laut der Leitlinie in Abhängigkeit von der verwendeten Definition.

Eine Schätzung des schweizerischen Netzwerks von Praxen beziffert den Anteil von Menschen mit Multimorbidität (≥ drei chronische Krankheiten) an der regelmäßigen Hausarztklientel mit 25,5 % in der Altersgruppe 41–60 Jahre, 51,9 % in der Altersgruppe 61–80 Jahre und 67,3 % bei den über 80-jährigen. Die starke Altersabhängigkeit von Multimorbidität wird laut der Leitlinie auch in anderen Prävalenzstudien bestätigt.

Epidemiologische Studien weisen außerdem darauf hin, dass Frauen häufiger von Multimorbidität betroffen sind als Männer, dass Multimorbidität häufiger bei Menschen aus sozioökonomisch schwächeren Schichten anzutreffen ist und dass chronische somatische Erkrankungen häufig auch mit psychischen Erkrankungen einhergehen. 

Zu den häufigsten im Kontext von Multimorbidität angetroffenen Erkrankungen gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen, muskuloskeletale Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, psychische und psychosomatische Erkrankungen oder Erkrankungen der Atemwege wie Asthma oder COPD.   

Die Versorgung von multimorbiden Patientinnen und Patienten nach krankheitsspezifischen Leitlinien kann laut der Leitliniengruppe zu einer gesundheitlichen Gefährdung führen – zum Beispiel durch Multimedikation sowie inkompatible oder widersprüchliche Behandlungsempfehlungen.

„Ohne klare Zuständigkeiten hinsichtlich der Koordination der Behandlungen durch unterschiedliche Leistungserbringer kann es zu Überversorgung kommen und es besteht die Gefahr, dass Wünsche und Wertvorstellungen der Behandlungssuchenden aus dem Fokus geraten“, heißt es in der Leitlinie.

Die Living Guideline soll daher insbesondere Hausärztinnen und Hausärzte bei der Behandlung von multimorbiden Versicherten unterstützen. Sie richtet sich laut der DEGAM aber auch an die mitversorgenden Fachärzte.

hil

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