Ärzteschaft

Multimorbidität ab 50 Jahren weit verbreitet

  • Montag, 11. Mai 2026
/USeePhoto, stock.adobe.com
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Berlin – Multimorbidität ist in Deutschland bereits im mittleren Lebensalter weit verbreitet: Im Jahr 2024 waren 45 Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer im Alter von 50 bis 59 Jahren von mindestens zwei chronischen Erkrankungen betroffen. Das zeigt eine Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), die jetzt im Rahmen des Zi-Versorgungsatlas erschienen ist (2026; DOI: 10.20364/VA-26.01).

Die Datengrundlage der Auswertung waren bundesweite pseudonymisierte krankenkassenübergreifende vertragsärztliche Abrechnungsdaten der Jahre 2015 bis 2024. Als Studienpopulation wurden alle Versicherten im Alter ab 50 Jahren mit zumindest einmaligem Vertragsarztkontakt in den Jahren 2015 bis 2024 eingeschlossen.

Das Forschungsteam bestimmte die Prävalenz von 19 chronischen Erkrankungen und dokumentierte sie nach Alter, Geschlecht, Wohnkreis und sozioökonomischem Wohnumfeld. 

Es zeigte sich: Für das gleichzeitige Auftreten von fünf oder mehr chronischen Erkrankungen wurden die größten Prävalenzanstiege beobachtet – um zwölf Prozent bei Frauen und 14 Prozent bei Männern. Versicherte in Wohnkreisen mit höherer sozioökonomischer Deprivation sind häufiger von Multimorbidität betroffen als Menschen in weniger benachteiligten Regionen. 

Im Jahr 2024 variierte die Prävalenz von zwei Erkrankungen oder mehr auf Ebene der deutschen Kreise zwischen 49 Prozent im Landkreis Reutlingen und 76 Prozent im Landkreis Elbe-Elster. Die ostdeutschen Kreise fielen nahezu vollständig in den Bereich der höchsten 25 Prozent der Prävalenzwerte.

Große zusammenhängende Gebiete mit Werten im Bereich der untersten 25 Prozent zeigten sich in nahezu der gesamten Fläche Baden-Württembergs, in der Region Westfalen-Lippe und im Süden Bayerns.

„Multimorbidität beginnt früher, als vielfach angenommen wird“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried. Schon ab 50 Jahren sehe man einen hohen Anteil von Menschen mit mehreren chronischen Erkrankungen – und dieser Anteil wachse mit dem Alter deutlich. Vor allem die starke Zunahme bei Menschen mit einer größeren Zahl unterschiedlicher Erkrankungen werde die ambulante medizinische Versorgung in Zukunft vor große Herausforderungen stellen.

hil

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