S3-Leitlinie Schizophrenie erneut aktualisiert

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) hat ihre Living-Guidline zur Schizophrenie erneut an den aktuellen Stand der Wissenschaft angepasst. Aktualisiert wurden insbesondere die Empfehlungen zu digitalen Therapien, zur repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) und zur medikamentösen Akutbehandlung.
„Goldstandard der Versorgung von Menschen, die an einer Schizophrenie erkrankt sind, ist ein ganzheitlicher Behandlungsansatz“, erläutert Alkomiet Hasan, der Koordinator der Leitlinie. Diese umfasse eine Kombination aus medikamentöser Behandlung mit Antipsychotika, kognitive Verhaltenstherapie, psychosoziale Verfahren und gegebenenfalls nicht-invasive Hirnstimulationsverfahren.
„Wann immer möglich, sollten dabei auch Angehörige und nahe Vertrauenspersonen einbezogen werden. Mit der richtigen Behandlung können viele Menschen auch mit einer Schizophrenie mit nur wenigen Beeinträchtigungen am Leben teilhaben“, betonte der Experte.
Neue Therapien
Die aktualisierte Leitlinie empfiehlt nun bei anhaltenden akustischen Halluzinationen eine Therapie mit digitalen Avataren, auch wenn diese Behandlung in Deutschland bislang nur im Rahmen von Studien verfügbar ist. „Die Idee hinter dieser Therapieform, die in Elementen bereits in der klassischen Verhaltenstherapie eingesetzt wird, ist es, der Halluzination per Computerprogramm einen Avatar, also ein Gesicht und eine Stimme zu geben. So wird die innere Auseinandersetzung der Betroffenen mit ihrer akustischen Halluzination nach außen verlagert“, erläutert Hasan.
Erweitert wurde zudem die Empfehlung zum Einsatz der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS), einem nicht-invasiven Verfahren, bei dem bestimmte Hirnregionen mithilfe wiederholter Magnetimpulse stimuliert werden, um eine Über- oder Unteraktivierung der Region zu modulieren. Die Leitlinie empfiehlt jetzt, diese Therapieoption anzubieten, wenn die medikamentöse Behandlung keine ausreichende Wirkung erzielt.
Auch die Empfehlungen zur medikamentösen Akutbehandlung wurden aufgrund neuer wissenschaftlicher Evidenz konkretisiert: Aus Sicht der Leitliniengruppe ist die Anwendung von Haloperidol zur Kontrolle akuter Erregungszustände auch zur Off-Label-Anwendung sinnvoll.
Insgesamt umfasst die aktualisierte S3-Leitlinie 153 Empfehlungen zu Diagnostik und Behandlung der Schizophrenie. An der Aktualisierung haben sich insgesamt 41 Fachgesellschaften, Verbände sowie Angehörigen- und Betroffenen-Organisationen beteiligt.
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