Hochschulen

Senat der Universität Greifswald stimmt für Kompromiss im Namensstreit

  • Donnerstag, 18. Januar 2018
Proteste in der Greifswalder Altstadt gegen die Ablegung des Namens „Ernst Moritz Arndt“ durch die Uni Greifswald. /dpa
Proteste in der Greifswalder Altstadt gegen die Ablegung des Namens „Ernst Moritz Arndt“ durch die Uni Greifswald. /dpa

Greifswald – Die Universität Greifswald verzichtet künftig auf ihren 1933 zuerkannten Namen „Ernst Moritz Arndt“. Allerdings kann der Namenszusatz unter bestimmten Voraussetzungen vorangestellt werden. Das entschied der Senat als höchstes Hoch­schulgremium gestern mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit. Der Kompromiss ist noch nicht rechtskräftig. Das Bildungsministerium muss der Änderung der Grund­ordnung nun zustimmen. Von 35 Senatoren stimmten 27 für den Antrag, acht dagegen.

Der Beschluss bestätige im Wesentlichen das Ergebnis von vergangenem Jahr, stelle aber auch einen Kompromiss dar, sagte die Senatsvorsitzende Marie-Theresia Schaf­meister. Im Rechtsverkehr gelte der Name Universität Greifswald. Der Senat werde nun eine Ordnung verfassen, wie der Namenszusatz künftig zu verwenden sei. „Ernst Moritz Arndt bleibt ein nicht wegzudenkender Name und eine nicht wegzudenkende Person der Universität“, hieß es.

Heftige Debatte

Zuvor war in der Sitzung ein Antrag gescheitert, auf den Namenszusatz „Arndt“ komplett zu verzichten. Der in Pommern geborene Arndt (1769–1860), Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung und Kämpfer für ein einheitliches Deutschland, ist wegen nationalistischer und antisemitischer Äußerungen umstritten.

Die von einem Teil der Senatoren angestrebte Ablegung des Namens hatte in den vergangenen Monaten in der Universität und in der Stadt zu kontroversen Debatten geführt. Der Name passe nicht zu einer weltoffenen und auf Internationalisierung setzende Universität, erklärten die Antragsteller. Arndt-Befürworter sahen sich eines Teils der pommerschen Identität beraubt.

Uni-Rektorin Johanna Eleonore Weber sprach von einem „klaren Ergebnis“. Sie hoffe, dass die Universität nun eine Lösung gefunden habe, „die wieder eint und nicht weiter spaltet“. Der Senat habe mit sich gerungen. „Es war ein fairer, offener, zum Teil auch berührender Austausch von Positionen“, sagte sie nach der Sitzung. Die Kompromiss­lösung gebe Spielraum. Greifswald folge damit anderen Hochschulen wie der Univer­sität Heidelberg, wo ein Namenszusatz optional zum Städtenamen verwendet werde.

Öl ins Feuer goss nach der Entscheidung der Greifswalder CDU-Landtagsabgeordnete Egbert Liskow. Er sprach von einem „faulen Kompromiss“. Die Entscheidung sei ein Affront gegen Greifswalder Bürger und die Mehrheit der Universitätsangehörigen. Der AfD-Landtagsabgeordnete Ralph Weber sprach von der „dümmsten Entscheidung, die getroffen werden konnte“. Die Umbenennung sende das falsche politische Signal.

Der Senat der Uni hatte bereits im Januar 2017 die Ablegung des Namens mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit beschlossen. Den Beschluss erkannte später das Bildungsministerium wegen formaler Mängel nicht an. Daraufhin beseitigte die Universität die Rechtsmängel und startete im November eine Meinungsumfrage unter den Uni-Mitarbeitern und Studierenden.

Zwei Umfragen

Knapp 49 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Studierenden, wissenschaftli­chen und Verwaltungsmitarbeiter sowie Professoren stimmten für Arndt. Rund 34 Prozent votierten für die Namensstreichung. Für rund 15 Prozent waren beide Varianten gleichermaßen akzeptabel. An der Umfrage, die nicht rechtsverbindlich ist, nahm rund ein Drittel der etwa 15.100 Universitätsmitglieder teil.

In einer späteren studentischen Urabstimmung stimmte eine knappe Mehrheit für die Ablegung des Namens. Allerdings nahmen an der Umfrage nur 15 Prozent der Studie­renden teil. Am vergangenen Samstag demonstrierten rund 600 Greifswalder dafür, dass die Universität an ihrem Namenspatron festhält. Rektorin Weber sagte, die Kosten der Umstellung würden möglichst gering gehalten. Broschüren würden mit einer Neuauflage verändert. Digitale Darstellungen könnten ohne Kosten angepasst werden.

dpa

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