Ärzteschaft

So viele militärische Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen wie nie

  • Mittwoch, 21. Januar 2026
/picture alliance, Mohammad Jawad
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Amsterdam/Berlin – Die Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen und medizinisches Personal in bewaffneten Konflikten nehmen immer mehr zu. Das verdeutlicht der Bericht „Medizinische Versorgung im Fadenkreuz“ („Medical care in the crosshairs“) von Ärzte ohne Grenzen.

Demnach wurden im Jahr 2025 nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit bei 1.348 Angriffen auf die medizinische Versorgung 1.981 Menschen getötet. Das ist der Hilfsorganisation zufolge eine Verdoppelung gegenüber 944 Todesfällen im Jahr 2024 und ein neuer Höchststand.

„Beinahe zehn Jahre nach Verabschiedung der Resolution 2286 im UN-Sicherheitsrat, der die Angriffe auf das Gesundheitswesen verurteilte und ein Ende der Straflosigkeit forderte, führten 2025 täglich im Schnitt fast vier Angriffe auf die Gesundheitsversorgung dazu, dass Millionen Menschen in einigen der schwierigsten humanitären Kontexte von lebensnotwendiger Versorgung abgeschnitten sind“, kritisiert Ärzte ohne Grenzen.

Die Hilfsorganisation bezieht sich dabei in seinem Bericht auf das Überwachungssystem für Angriffe auf das Gesundheitswesen der WHO. Die meisten Menschen wurden danach im Sudan getötet (1.620), gefolgt von Myanmar mit 148, den besetzten palästinensischen Gebieten mit 125, Syrien mit 41 und der Ukraine mit 19 Getöteten.

Beunruhigend und erschütternd sind laut dem Hilfswerk nicht nur die Opferzahlen, sondern auch neue Narrative von Konfliktparteien bei der Bewertung der Angriffe.

„Konfliktparteien haben das Narrativ von ‚versehentlichen Angriffen‘ hin zu einer Rechtfertigung verschoben, dass medizinische Einrichtungen und humanitäres Personal ihren Schutzstatus nach dem humanitären Völkerrecht ‚verloren‘ hätten“, sagte Erik Laan von Ärzte ohne Grenzen in den Niederlanden.

Diese Verschiebung zeige, dass militärischen Überlegungen häufig Vorrang gegenüber der Pflicht eingeräumt werde, Zivilisten zu schützen und zivile Schäden zu minimieren, so der Experte.

Ärzte ohne Grenzen fordert, Verletzungen des humanitären Völkerrechts immer klar zu benennen. Öffentliche Stellungnahmen seien zentral, um Staaten anzuhalten, Vorfälle ernsthaft und transparent aufzuklären, einer Normalisierung von Verstößen etwas entgegenzusetzen und künftige Angriffe auf Gesundheitsversorgung zu verhüten, hieß es aus dem Hilfswerk.

hil

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