Politik

Sorgen wegen Engpässen bei Schutzausrüstung

  • Donnerstag, 9. April 2026
/picture alliance, Robert Michael
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Berlin – Der Krieg im Iran kann nach Ansicht der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) negative Folgen für die Verfügbarkeit von Schutzausrüstung von Kliniken und Pflegeheimen haben. Sie warnt unter anderem vor Engpässen bei Einmalhandschuhen, anderer Schutzausrüstung und weiteren notwendigen Waren. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) beobachtet die Situation.

Nach Aussagen der DKG nehmen viele in Ostasien ansässige Hersteller medizinischer Schutzausrüstung keine Bestellungen mehr an. Ihnen fehle der Nachschub bei den notwendigen erdölbasierten Stoffen wie Naphtha und Ethylen, die zur Herstellung zahlreicher Kunststoffprodukte notwendig seien, teilte die DKG mit.

Auch Hygieneartikelgroßhändler sehen die Problematik. „Uns war sofort klar: Es wird eine Verknappung bei Einmalhandschuhen geben“, sagte Axel Theiler, der die Franz Mensch GmbH mit seinem Bruder leitet, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Theiler betonte, es gebe etwa bei Nitrilhandschuhen eine „brutale Abhängigkeit“ von Importen aus Asien.

Die Preise sind demnach durch den Irankrieg deutlich gestiegen. Für Nitrilhandschuhe seien die Stoffe Acrylnitril und Butadien notwendig, die aus Erdöl gewonnen würden. Butadien ist dem Bericht zufolge um 35 Prozent, Acrylnitril um 60 Prozent teurer geworden.

Betroffen sind nach Angaben der DKG aber nicht nur Kunststoffprodukte. Warnsignale gebe es unter anderem auch bei der Versorgung mit Helium. Die DKG wies darauf hin, dass das Gas zur Kühlung medizinischer Geräte, vor allem MRT-Scanner, genutzt wird.

Helium sei prinzipiell ein knappes Gut, die unterbrochenen Lieferketten machten die Beschaffung aber noch komplizierter als bisher. Mögliche Lieferengpässe wie zu Beginn der Coronapandemie oder nur spürbare Preissteigerungen würden die Krankenhäuser in einer Phase wirtschaftlicher Unsicherheit treffen.

BMG: Bislang keine Einschränkungen

Aus Sicht des Bundesministeriums für Gesundheit hat der Iran-Krieg nach aktuellem Stand bisher keine direkten Auswirkungen auf die Produktion von und die Versorgung mit Medizinprodukten in Deutschland gehabt.

Auch über Versorgungsengpässe bei Helium sei bislang weder dem Bundesinstitut für Arzneimittel (BfArM) noch den Verbänden etwas bekannt. „Dem BMG liegen bislang keine Informationen über Versorgungseinschränkungen vor, die Lage wird aber sehr aufmerksam verfolgt“, hieß es auf Nachfrage.

Bei Produkten, die auf erdölbasierte Rohstoffe zurückgreifen würden, wie etwa Handschuhe und OP-Materialien wie Kittel und Abdecktücher, stünden Hersteller sowie der Fach- und Großhandel aber Herausforderungen durch Hamsterkäufe gegenüber. Krankenhäuser hätten in der Regel langfristige Verträge für Verbrauchsmaterial.

Das Ministerium betonte zugleich, dass mittel- und langfristig indirekte Folgen möglich sind. „Störungen im globalen Schiffsverkehr können internationale Logistikketten, insbesondere Transportzeiten und -kosten und so auch die Versorgung mit Medizinprodukten oder persönlicher Schutzausrüstung beziehungsweise deren Vorprodukten beeinträchtigen oder verteuern“.

Die Einkaufsplanung dieser Produkte sei in der Regel weit vorausplanend. Die Auswirkungen auf die weltweite Versorgung mit Massenprodukten seien davon abhängig, wie lange die Versorgung unterbrochen beziehungsweise eingeschränkt sei.

„Dass sich die unterbrochenen Lieferketten noch nicht spürbar auf die Versorgung in den Krankenhäusern auswirken, liegt vor allem an der Vorratshaltung der Kliniken und den Beständen der Händler“, erläuterte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG, Henriette Neumeyer.

Sollte sich die politische Situation nicht in absehbarer Zeit entspannen, würden die Einkäufer der Kliniken mit starken Preissprüngen oder gleich leeren Lagern konfrontiert. In der jetzigen wirtschaftlichen Lage der Kliniken wären stark gestiegene Preise kaum zu stemmen, so Neumeyer.

Aus ihrer Sicht hat die Politik bisher keine Lehren aus den Lieferengpässen während der Pandemie gezogen. „Die damals angekündigte Nationale Reserve Gesundheitsschutz existiert bis heute genauso wenig wie eine relevante europäische Produktion von Schutzausrüstung und medizinischer Verbrauchsgüter“, bemängelte Neumeyer.

Bereits bekannte Engpässe, etwa bei Einmalhandschuhen, ließen sich zu einem Teil noch durch Desinfektion und verstärkte Handhygiene abfedern. Dennoch müsse die Politik jetzt dafür Sorge tragen, dass die Krankenhäuser nicht wieder in eine Situation wie 2020 gerieten. „Preissteigerungen wie damals können die Krankenhäuser heute unter den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen nicht noch einmal ohne Weiteres stemmen“, betonte Neumeyer.

Das Bundesgesundheitsministerium verwies auf den Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD. Dieser sehe die Schaffung gesetzlicher Rahmenbedingungen für den Gesundheitssektor und den Rettungsdienst im Zivilschutzfall, inklusive Verteidigungs- und Bündnisfall vor.

Ziel eines vor diesem Hintergrund geplanten Gesundheitssicherstellungsgesetzes (GeSiG) sei es, einen Sonderrechtsrahmen zur Sicherstellung der Gesundheitsversorgung in verteidigungsbezogenen Krisenlagen zu schaffen. „Besonderes Gewicht liegt unter anderem auf einer strategischen Reserve medizinischer Gegenmaßnahmen. Ein entsprechender Referentenentwurf soll im Sommer vorgelegt werden“, so die Sprecherin.

may

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