Stiftung: Zu lange Wartezeit auf Psychotherapie für Jugendliche

Leipzig/Frankfurt – Kinder und Jugendliche in Deutschland müssen aus Sicht der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention zu lange auf Psychotherapie warten. „32,5 Wochen vergehen zwischen der ersten Anfrage und dem Beginn einer Psychotherapie. Das ist nicht akzeptabel“, erklärte die Stiftung heute in Leipzig.
Sie reagierte damit auf entsprechende Daten des Bildungs- und Versorgungsmonitors Psychotherapie, die vergangene Woche veröffentlicht wurden. Die Wartezeiten seien im Vergleich zu 2025 erneut gestiegen.
Die Stiftung sprach von gravierenden psychotherapeutischen Versorgungsdefiziten bei Kindern und Jugendlichen. Die Hälfte der psychischen Erkrankungen beginne vor dem 18. Lebensjahr. Ohne frühzeitige Behandlung steige das Risiko schwerer und chronifizierter Verläufe.
„Psychische Erkrankungen sind mit großem Leid für die Betroffenen und ihr Umfeld sowie Folgen für die gesamte Gesellschaft verbunden und dürfen nicht länger als nachrangiges Thema behandelt werden“, mahnte die Stiftung. Psychisch gesund aufzuwachsen, sei eine zentrale Voraussetzung für Bildungserfolg, gesellschaftliche Teilhabe und Gesundheit über die gesamte Lebensspanne hinweg.
Aktuellen Daten zufolge seien mehr als 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland stark psychisch belastet. Die Ursachen liegen in den Folgen der COVID-19-Pandemie, der Klimakrise, dem Krieg in Europa und wirtschaftlichen Sorgen in Familien.
Die Stiftung riet Eltern, sich bei Sorgen wegen ihrer Kinder zunächst an die behandelnden Kinder- und Jugendärzte zu wenden. Zur Überbrückung von Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz könnten Familien- und Erziehungsberatungsstellen helfen.
Kinder und Jugendliche könnten telefonische oder Onlineberatungsangebote wie zum Beispiel die Nummer gegen Kummer (116111), Jugendnotmail oder U25 nutzen. In akuten Krisenfällen sollte die nächstgelegene kinder- und jugendpsychiatrische Klinik kontaktiert werden.
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