Ärzteschaft

Stimmung in der Ärzteschaft stürzt deutlich ab

  • Donnerstag, 8. Oktober 2026
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Hamburg – Die gesundheitspolitischen Reformpläne der Bundesregierung führen zu einer schlechten Stimmung in der Ärzteschaft. Das zeigt das aktuelle Stimmungsbarometer der Stiftung Gesundheit. Demnach ist die Gemütszustand der niedergelassenen Ärzte regelrecht abgestürzt.

Im 3. Quartal 2026 fiel der Stimmungswert auf -48,5 Punkte. Der Wert liegt mehr als 20 Punkte unter dem der vorherigen Erhebung und ist damit so tief wie noch nie seit Beginn des Barometers vor mehr als 20 Jahren. Der bisherige Negativrekord lag bei -38,7 Punkten, wie die Stiftung schreibt.

Treiber des Absturzes ist den Angaben zufolge vor allem ein massiver Einbruch bei den wirtschaftlichen Erwartungen. Die Einschätzung der Entwicklung in den kommenden sechs Monaten verschlechterte sich gegenüber der vorherigen Erhebung um fast 35 Punkte.

92,0 Prozent der Ärzte gaben in der Umfrage an, dass sich politische Entscheidungen, gesetzliche Regelungen und Vorgaben der Selbstverwaltung in den vergangenen drei Monaten negativ auf ihre Gesamtarbeitssituation ausgewirkt haben. „Damit liegen Politik und Regulierung inzwischen mehr als 40 Prozentpunkte vor allen anderen abgefragten Belastungsfaktoren“, betont die Stiftung.

Negativrekorde in fast allen Fachgruppen

Der Stimmungseinbruch zieht sich durch nahezu alle betrachteten Fachgruppen. Am stärksten verschlechterte sich die Stimmung bei den Psychologischen Psychotherapeuten: Ihr Wert sank um 33,6 Punkte auf -48,3.

Bei den Fachärzten ging der Stimmungswert um 25,7 Punkte auf -51,5 zurück. Ähnlich drastisch ist die Entwicklung bei den Hausärzten. Mit einem Minus von 25,2 Punkten erreichen sie einen Wert von -55,6 und bilden damit das Schlusslicht unter den betrachteten Fachgruppen.

„Wir erleben hier keine normale Schwankung mehr“, sagte Konrad Obermann, Forschungsleiter der Stiftung Gesundheit. Wenn ein seit mehr als 20 Jahren erhobener Indikator derart abstürze, sei das ein „Alarmsignal“, das die Politik nicht überhören sollte.

Aus seiner Sicht zeigen die Zahlen deutlich, dass der Frust weit über einzelne Vergütungsfragen hinausgeht. „Die angekündigten Reformen kommen nicht voran, gleichzeitig erleben die Ärzte immer neue Einzelmaßnahmen und regulatorische Eingriffe“, sagte er. Solange ein gemeinsames Ziel für die grundlegende Weiterentwicklung des Gesundheitswesens fehle, werde es schwer sein, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Das Stimmungsbarometer gibt differenziert Auskunft darüber, wie die niedergelassenen Ärzte ihre aktuelle wirtschaftliche Lage einschätzen und welche Entwicklung sie in den kommenden sechs Monaten erwarten. An der repräsentativen Erhebung im 3. Quartal 2026 nahmen 941 Ärzte teil.

Darüber hinaus hat die Stiftung auch die wirtschaftliche Stimmung der nicht ärztlichen Heilberufler erhoben – und auch dort ist die Gemütslage gesunken. Die wirtschaftliche Stimmung ging im 3. Quartal 2026 um 8,8 Punkte auf -22,6 zurück. Sie liegt damit auf dem niedrigsten Stand seit Erhebungsbeginn vor fünf Jahren.

may/EB

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