Streeck: Suchthilfe ist keine freiwillige Zusatzleistung

Essen – An Angeboten zur Suchthilfe darf nicht gespart werden: Das betonte der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck (CDU).
Offener Crack-Konsum auf der Straße oder Personen, die infolge von Suchtproblemen psychotisch auffallen, seien „das Ende einer langen Entwicklung“, sagte Streeck beim Fachkongress Sucht in Essen. Die Veranstaltung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) unter dem Titel „Öffentlicher Raum & Verborgene Welten“ läuft bis übermorgen Mittag.
Aus diesen sichtbaren Entwicklungen werde schnell eine Debatte über Stadtbild, Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung, mahnte Streeck. Es gehe jedoch vorwiegend um Gesundheit. Es brauche Suchtkonsumräume, sichere Schlafplätze und von dort aus niederschwellige Wege in professionelle Behandlung. Denn: „Wer heute auf der Straße nicht weiß, wo er schläft, wird morgen kaum einen komplizierten Therapieplan befolgen können.“
Der Politiker fügte hinzu, dass der Markt der illegalen Substanzen sich schneller verändere, als die Statistik es derzeit abbilden könne. Der Verkauf laufe oftmals online, etwa über geschlossene Telegram-Gruppen. Wenn für Prävention und Hilfe kein Geld da sei, zahlten dafür später Polizei, Notaufnahmen und Justiz, „aber vor allem zahlen wir mit menschlichem Leid“, mahnte Streeck.
Die Stigmatisierung von Suchterkrankungen erschwert nach Worten des Vorsitzenden der Fachstelle, Norbert Scherbaum, auch den Zugang zu Hilfe. Etwa in Bezug auf Depressionen und Burnout seien Vorurteile zuletzt abgebaut worden; dies sei bei substanzbezogenen Störungen „noch lange nicht der Fall“.
Wenn suchtkranke Menschen als „willensschwache Versager“ betrachtet würden, könnten Betroffene umso länger von sich weisen, überhaupt ein Problem zu haben – nach dem Motto: „Maßloser Trinker – so bin ich doch gar nicht“. Dabei erfolge der Übergang vom regelmäßigen bis zum schädigenden Konsum oft schleichend.
Scherbaum wies zudem auf Medikamentenabhängigkeit hin, die zunehme und zwischen 1,5 und 1,9 Millionen Menschen betrifft: Sie trete häufig im Zusammenhang mit Einsamkeit im höheren Alter auf.
Deutsches Ärzteblatt bei Google bevorzugen
Wenn Sie Deutsches Ärzteblatt als bevorzugte Quelle festlegen, können Inhalte von uns in Ihren Google-Ergebnissen sichtbarer erscheinen.
Jetzt bei Google bevorzugenDiskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: