Streit um Terminvergabe von Privatversicherten

Berlin – Die jüngste Aufforderung des Spitzenverbandes Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands (Spifa) zur Terminvergabe bei gesetzlich und bei privat Versicherten hat eine Kontroverse mit dem Sozialverband Deutschland (VdK) ausgelöst.
„Wer gesetzlich krankenversichert ist, wartet wesentlich länger auf einen Facharzttermin als Privatversicherte. Diese Erfahrung von Millionen Menschen kann nicht wegdiskutiert werden“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele. Ihr zufolge kommen Vertragsarztpraxen ihrer Verpflichtung nicht nach, 25 Stunden Sprechstunde für gesetzlich Versicherte pro Woche anzubieten.
„Im Schnitt bieten Facharztpraxen nur 18,75 Wochenstunden für gesetzlich Versicherte an und reservieren die restliche Zeit für Privatversicherte und Selbstzahlerinnen und -zahler“, so Bentele. Die VdK-Präsidentin drohte in diesem Zusammenhang damit, die Terminvergaben könnten „großflächig“ kontrolliert werden, „um schwarze Schafe mit saftigen Geldbußen zu belegen“.
Diese Zahlen wies der Spifa jetzt als „vollkommen haltlos“ zurück. „Im Gegenteil: vertragsärztlich tätige Fachärztinnen und Fachärzte investieren im Durchschnitt sogar deutlich mehr Zeit für die Behandlung gesetzlich Versicherter, als sie müssten“, betonte der Verband und verwies auf Auswertungen der AOK, einer Umfrage von Forsa im Auftrag des GKV-Spitzenverbands und auf das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi).
Kritik am VdK übte auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein. „Wir haben die Behauptungen über die Ärzteschaft von VdK-Präsidentin Bentele irritiert zur Kenntnis genommen. Um es klar zu sagen: Diese entbehren jeglicher Grundlage“, sagte der KV-Vorstandsvorsitzende Frank Bergmann.
Als „den größten Unsinn“ bezeichnete der Virchowbund die VdK-Behauptungen. „Es liegt einzig und allein an der Budgetierung, die ein wirtschaftliches Betreiben von Praxen erschwert. Diese Budgetierung hat Leistungseinschränkungen zur Folge. Und Arzttermine sind Teil dieser Leistungen“, sagte der Virchow-Bundesvorsitzende Dirk Heinrich.
Auf die VdK-Äußerung zu Kontrollen bei der Terminvergabe ging die KV Baden-Württemberg ein. „Wer glaubt, durch immer mehr Kontrollmechanismen zu besseren Ergebnissen zu kommen, der irrt gewaltig. Immer mehr Regelungen, immer mehr Bürokratie ersticken die handelnden Personen im Gesundheitssystem“, sagte der KV-Vorstandsvorsitzende Karsten Braun. Er betonte, „immer mehr Ärztinnen und Ärzte wollen sich dem Regelungswahn nicht mehr unterwerfen“ – und entschieden sich daher gegen die Niederlassung.
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