Transportable Mini-Herz-Lungen-Maschinen bei Notfällen oft hilfreich

Bochum – Mobile Mini-Herz-Lungenmaschinen können für schwerstkranke Patienten eine letzte rettende Option sein (Extrakorporale Membranoxygenierung, ECMO). Sie können bei akutem Herz- oder Lungenversagen die Funktion der betroffenen Organe übernehmen. Diese werden so entlastet und erhalten die Möglichkeit, sich zu regenerieren. Darauf hat das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil anlässlich einer Tagung zum Thema hingewiesen.
Die Geräte sind künstliche Kreislaufsysteme, die außerhalb des Körpers des Patienten angelegt werden und dessen Herz- und Lungenfunktion übernehmen können. Ihre wesentlichen Bestandteile sind eine künstliche Lunge und eine Blutpumpe, die die Herzfunktion übernimmt.
Angeschlossen wird das Gerät mit zwei Kanülen in den Leistengefäßen des Patienten. Über die eine Kanüle wird das Blut mittels der Pumpe angesaugt und herausgeleitet. Es strömt durch die künstliche Lunge und wird mit Sauerstoff angereichert. Anschließend wird es über die zweite Kanüle zurück ins Gefäßsystem gepumpt. Auf diese Weise kann die Maschine wahlweise nur die Lungenfunktion oder die kombinierte Herz- und Lungenfunktion teilweise oder vollständig übernehmen.
„Das geschädigte oder erkrankte Organ wird somit entlastet. Je nach Erfolg der anschließenden Therapie kann es später wieder seine volle Funktion übernehmen“, erläutert Justyna Swol, Oberärztin der Chirurgischen Klinik im Bergmannsheil.
Allerdings ist das Anschließen eines Patienten unter Reanimationsbedingungen sehr anspruchsvoll: „Beim Einbringen der etwa fingerdicken Kanülen in den Leistengefäßen muss jeder Handgriff sitzen“, erklärt Dirk Buchwald, leitender Kardiotechniker der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie.
Die Geräte haben im internen Notfallmanagement des Bergmannsheils einen festen Platz. Nun gehen die Überlegungen dahin, dieses Verfahren auch in der auswärtigen Notfallversorgung einzusetzen. Patiententransporte mit dem System sind bereits möglich: „Am Bergmannsheil sind wir in der Lage, Patienten mit laufender ECMO sowohl im Intensivmobil wie im Hubschrauber zu transportieren“, so Swol.
Pro Jahr transportiere das Team am Bergmannsheil rund 15 Mal Patienten, die an einer solchen Mini-Herz-Lungenmaschine angeschlossen seien. Insgesamt behandeln die Ärzte des Klinikums jährlich rund 65 Patienten mit einem ECMO-System.
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