Ärzteschaft

Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen: Mehr Prävention und politische Maßnahmen

  • Dienstag, 18. März 2025
Süßigkeiten Zucker
/raul, stock.adobe.com

Hannover – In Deutschland sind zu viele Kinder und Jugendliche übergewichtig oder adipös und bewegen sich zu wenig. Die Ärztekammer Niedersachsen fordert daher von der künftigen Bundesregierung Strategien zum Gesundheitsschutz. Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte (BVKJ) appelliert an die zukünftigen Koalitionspartner, das Thema in den Blick zu nehmen.

„Ernährung spielt eine große Rolle, um Gesundheit zu fördern und langfristig zu erhalten. Eine neue Bundesregierung hat jetzt die Chance, entsprechende Weichen zu stellen: Eine Zuckersteuer ist eine sinnvolle Maßnahme, um den Zuckerkonsum von Kindern zu senken“, sagte Thomas Buck, Kinderarzt und Vorstandsmitglied der Ärztekammer. 

Axel Haverich, Präsident der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft und Transplantationsmediziner, schlägt vor, mehr körperliche Aktivität in den Schulunterricht zu integrieren: „Schon bei fünf Minuten Bewegung pro Unterrichtsstunde zeigen sich enorme Effekte in Bezug auf die allgemeine Gesundheit, die Stimmung und das Lernverhalten von Kindern und Jugendlichen“, sagte er. 

Die niedersächsische Ärzteschaft plädiert für eine nationale Public-Health-Strategie von Bund, Ländern, Kommunen und allen relevanten gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren.

„Viele Krankheiten können durch gezielte Angebote und Maßnahmen verhindert werden. Jedoch spielen soziale Determinanten eine große Rolle, denen wir in erster Linie lebensweltbezogen begegnen müssen. Gesundheit muss für alle Menschen, unabhängig ihrer sozialen oder wirtschaftlichen Voraussetzungen, zugänglich sein“, sagte Fabian Feil, Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamts. Der Öffentliche Gesundheitsdienst habe besondere Möglichkeiten, die der Ärzteschaft meist nicht zur Verfügung stünden, betonte er. 

Die langfristigen gesundheitlichen Folgen von Übergewicht und Adipositas nimmt der BVKJ in den Blick. „Leider entwickeln sich aus diesen kranken Kindern oft Erwachsene, die ihr Leben lang unter chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Problemen und anderen Folgeerkrankungen von Übergewicht leiden“, sagte Michael Hubmann, Präsident des BVKJ. Es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, „endlich mehr dafür zu tun, dass alle Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit einer ausgewogenen, zuckerreduzierten Ernährung erhalten“, betonte er.

Konkret fordert der BVKJ ein striktes Werbeverbot für stark zucker-, fett- und salzhaltige Lebensmittel, insbesondere wenn diese sich an Kinder richten. Gleichzeitig sollten gesunde Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte steuerlich begünstigt und eine Abgabe auf zuckerhaltige Getränke, Alkohol, Tabak und Cannabis eingeführt werden.

Die hierdurch generierten Mittel sollten in langfristige Präventionsprogramme fließen, um Kinder und Jugendliche für einen gesunden Lebensstil zu sensibilisieren, schlägt der Verband vor.

hil

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