Vermischtes

Übergewicht belastet junge Menschen auch psychisch

  • Freitag, 23. Januar 2026
Kind Übergewicht Waage
/Protsenko Dmitriy, stock.adobe.com

München – Übergewichtige Kinder haben offenbar ein erhöhtes Risiko für Depressionen und Angststörungen: Darauf hat die Stiftung Kindergesundheit gestern in München hingewiesen. Vorbeugende Angebote dürften daher nicht nur Ernährung und Bewegung umfassen.

„Die Verbesserung der psychischen Gesundheit muss ein integraler Bestandteil jeder Strategie gegen Übergewicht im Kindesalter sein“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Berthold Koletzko. Generell neigten Mädchen im Teenageralter stärker zu depressiven Symptomen, erklären die Fachleute.

Bei Jungen zeige sich dagegen ein klarer Zusammenhang mit Übergewicht. Sie zeigten tendenziell auch eher aggressive Verhaltensweisen. Die Stiftung bezieht sich auf mehrere Studien, darunter eine des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung mit 4.600 jungen Teilnehmenden in den Niederlanden.

Soziale Ausgrenzung spiele in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle, wie es weiter heißt. Übergewichtige Kinder erlebten deutlich häufiger Hänseleien und Mobbing, was ihre seelische Belastung verstärke. Diese negativen Erfahrungen könnten auch Jahre später noch nachwirken. An Schulen brauche es daher gezielte Maßnahmen gegen gewichtsbezogenes Mobbing.

Zudem tragen Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen laut Angaben ein doppeltes Risiko: In Familien mit geringem Einkommen und niedrigerem Bildungsniveau der Eltern lebten nicht nur mehr übergewichtige Kinder, sondern diese entwickelten auch häufiger emotionale Probleme. Neben unausgewogener Ernährung trage dazu auch bei, dass die Möglichkeiten für sportliche Aktivitäten oft eingeschränkt seien, das Stressniveau in der Familie dagegen erhöht.

Alle Kinder bräuchten tägliche Bewegungsangebote sowie qualitativ hochwertige Mahlzeiten, mahnte die Stiftung. Bildungseinrichtungen müssten sich auf Adipositasprävention einstellen. Kindern, die bereits früh im Leben übergewichtig seien, könne niederschwellige Unterstützung helfen – bevor es zu depressiven Symptomen, sozialen Ängsten oder aggressivem Verhalten komme. Diese psychischen und sozialen Aspekte würden bislang häufig vernachlässigt, seien aber entscheidend, betonte Koletzko.

kna

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung