Ausland

UN fordern Deutschland zur Fortsetzung von Afghanistan-Hilfe auf

  • Mittwoch, 25. Januar 2023
Amina Mohammed/picture alliance, Luiz Rampelotto, EuropaNewswire
Amina Mohammed/picture alliance, Luiz Rampelotto, EuropaNewswire

Brüssel – Die stellvertretende UN-Generalsekretärin Amina Mohammed hat Deutschland und die anderen EU-Staaten davor gewarnt, wegen der frauenfeindlichen Politik der Taliban in Afghanistan humanitäre Hilfslie­fe­rungen zu stoppen.

Regierungen müssten den Steuerzahlern erklären, warum man einem Land Geld gebe, das Frauen so diskrimi­niere, sagte Mohammed. Die unangenehme Wahrheit sei aber, dass Frauen und Kinder in Afghanistan ohne Hilfe aus dem Ausland sterben würden.

„Es gibt Temperaturen von minus 30 Grad“, sagte die Vize-Generalsekretärin. „Und es gibt Menschen, die nicht wissen, woher sie ihre nächste Mahlzeit bekommen.“

Ziel der internationalen Gemeinschaft müsse sein, die militant-islamistischen Taliban über Druck in anderen Bereichen zur Rücknahme von diskriminierenden Ent­scheidungen gegen Frauen oder zumindest zu mehr Ausnahmeregelungen zu bewegen.

Als Beispiel nannte sie die weitgehenden Beschäftigungs- und Ausbildungsverbote für Frauen, die auch Tätig­keiten für Hilfsorganisationen einschließen.

In Afghanistan sind die Taliban nach dem Abzug der internationalen Truppen seit Sommer 2021 wieder an der Macht. In der EU wird diskutiert, ob weiter Entwicklungshilfe geleistet werden kann. Außenmi­nis­­terin Anna­lena Baerbock hatte vorgestern bei einem EU-Treffen eine harte deutsche Position angekündigt.

„Wenn Frauen für internationale Organisationen nicht mehr arbeiten können, dann kommt die Hilfe nicht mehr an. Und wir können uns als internationale Gemeinschaft nicht zum Handlanger der Taliban machen mit Blick auf das Arbeitsverbot von Frauen“, sagte die Grünen-Politikerin. „Das bedeutet: Wo Frauen nicht mehr arbeiten dürfen, können auch deutsche Hilfsgüter nicht mehr ankommen.“ Die Taliban nähmen die gesamte afghanische Bevölkerung „in Geiselhaft“.

Die Taliban stehen international vor allem wegen einer massiven Beschneidung von Frauenrechten massiv in der Kritik. So sind Mädchenschulen ab der siebten Klasse in weiten Teilen des Landes geschlossen. Der Be­such von Universitäten ist seit Dezember für Frauen ebenfalls tabu. Im November mussten Parks und Fitness­studios ihre Pforten für Frauen schließen. Ende Dezember wurde Frauen verboten, für Nichtregierungsorga­ni­sationen zu arbeiten.

dpa

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