Vermischtes

Unbekanntes Virus bei Rindern in Süddeutschland nachgewiesen

  • Dienstag, 4. August 2026
Gnitze, Forcipomyia (Forcipomyia eques). /picture alliance, blickwinkel/H, H. Bellmann/F. Hecker
Gnitze, Forcipomyia (Forcipomyia eques). /picture alliance, blickwinkel/H, H. Bellmann/F. Hecker
Dieses Dialog-Fenster öffnen

Stuttgart/Greifswald – Ein neues Virus ist nach Europa eingeschleppt worden und breitet sich nun bei Rindern in Süddeutschland aus. Übertragen wird das Virus durch blutsaugende Gnitzen.

Das Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), das sich als Bundesforschungsinstitut der Tiergesundheit widmet, untersuchte vier Proben aus Baden-Württemberg und kam zu dem Schluss, dass es sich um ein bislang nicht näher charakterisiertes Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe handelt. Viren dieser Gruppe kämen vor allem in Afrika, Asien und Australien vor.

Für Menschen gebe es nach bisherigem Kenntnisstand kein relevantes Infektionsrisiko durch die Simbu-Serogruppe, heißt es vom FLI.

„Bei neu auftretenden und bislang unzureichend charakterisierten Viren dieser Gruppe muss ein mögliches zoonotisches Potenzial jedoch vorsorglich untersucht und im weiteren Verlauf aufmerksam beobachtet werden.“ Konkrete Untersuchungen sind allerdings weder vom FLI noch vom Robert-Koch-Institut geplant.

Ähnlichkeit mit Shamondaviren

Nach bisherigem Kenntnisstand sind beziehungsweise waren in der Region Südbaden rund 100 Betriebe mit Rinderhaltung betroffen, wie ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums Baden-Württemberg mitteilte. Todesfälle unter den Tieren seien nicht bekannt. „Der Krankheitsverlauf ist nach bisherigem und aktuellem Kenntnisstand typischerweise mild, betroffene Tiere erholen sich innerhalb weniger Tage wieder.“

Weitere erkrankte Rinder gab es in der Schweiz, Frankreich und weiteren Teilen Süddeutschlands. Die Symptome entsprachen dem Schmallenbergvirus, ebenfalls ein Virus der Simbu-Serogruppe. Das Virus war 2011 nach Deutschland gelangt und sorgte in den darauf folgenden Jahren vor allem bei Schafen für Fehlgeburten und Missbildungen. Mehr als 2.000 Höfe waren damals betroffen.

Untersuchungen auf diesen oder andere bekannte Erreger, wie die Viren der Blauzungenkrankheit oder der Epizootischen Hämorrhagie verliefen jedoch negativ.

Eine große genetische Übereinstimmung konnte das FLI allerdings mit Shamondaviren nachweisen, die auch zur Simbu-Serogruppe gehören. In der FLI-Mitteilung wird das nun nachgewiesene Virus daher auch als „Shamonda-like“ (englisch für „Shamonda-ähnlich“) bezeichnet.

Virus könnte auf Tierfetus übertragen werden

Laut FLI führen Infektionen mit Viren der Gruppe bei erwachsenen Tieren in der Regel lediglich zu milden bis moderaten klinischen Erscheinungen. „Von besonderer Bedeutung ist jedoch die mögliche Übertragung auf den Fetus während der Trächtigkeit. Abhängig vom Zeitpunkt der Infektion können Aborte, Totgeburten und schwere angeborene Fehlbildungen auftreten.“

Inwiefern derartige Probleme infolge des nun nachgewiesenen Virus auftreten, müsse noch untersucht werden, erklärte das Institut. Da die entsprechenden Mücken noch bis November aktiv sind, müsse mit einer weiteren und möglicherweise schnellen Ausbreitung des Virus gerechnet werden.

„Wir wissen noch nicht genau, welches Potenzial das Virus in sich trägt“, sagte eine FLI-Sprecherin. Möglicherweise ginge es darum, jetzt möglichst schnell einen Impfstoff zu entwickeln.

Infiziert mit Viren dieser Gruppe werden überwiegend Wiederkäuer, insbesondere Rinder, Schafe und Ziegen. Außerdem wurden Antikörper bei Alpaka, Bison, Reh-, Rot-, Dam- und Muffelwild nachgewiesen. Die betroffenen Tiere zeigten Fieber und Durchfall, Milchkühe geben weniger Milch, wie das FLI erklärte.

Nach 2011 sei nun erneut in exotisches Orthobunyavirus eingeschleppt worden, stellte Martin Beer, Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, fest. „Die Untersuchungen der kommenden Wochen werden zeigen, wie rasch es sich ausbreitet, welche Tierarten besonders betroffen sind und mit welchen klinischen Folgen zu rechnen ist.“

dpa/mim

Diskutieren Sie mit:

Deutsches Ärzteblatt bei Google bevorzugen

Wenn Sie Deutsches Ärzteblatt als bevorzugte Quelle festlegen, können Inhalte von uns in Ihren Google-Ergebnissen sichtbarer erscheinen.

Jetzt bei Google bevorzugen

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung