Unechter Aida-Schiffsarzt: Hochstapler gesteht

Berlin – Im weißen Kittel wurde er geschätzt und bekam von Kollegen „äußerst fundiertes Fachwissen“ bescheinigt. Zuletzt behandelte er eineinhalb Jahre lang Passagiere auf einem Aida-Kreuzfahrtschiff. Doch ihr Arzt war in Wahrheit nur gelernter Krankenpfleger. Nun sitzt der 41-Jährige auf der Anklagebank. Zu Prozessbeginn gestand der Mann am Landgericht Berlin, seit 2010 mit gefälschter Approbationsurkunde und einer am Computer gebastelten Bestätigung eines „Dr. med.“ ein Lügengebilde aufgebaut zu haben.
80 Taten werden ihm vorgeworfen: Betrug, Urkundenfälschung, Missbrauch von Titeln und 63 Fälle von gefährlicher Körperverletzung. Der Hochstapler erschlich sich den Ermittlungen zufolge auch als angeblicher Anästhesist und Intensivmediziner eine Stelle bei der Deutschen Stiftung für Organtransplantation sowie eine Dozententätigkeit an der Berliner Charité. Zudem habe er in einer Praxisklinik 41 Patienten unter Narkose gesetzt und zuletzt als Schiffsarzt praktiziert. Dabei habe er insgesamt rund 500.000 Euro eingenommen. „Es gab nie fachliche Beschwerden“, erklärten die Verteidiger.
Als der 41-Jährige im Oktober 2014 bei der Ärztekammer Berlin einen neuen Ausweis beantragte und einen zweiten Vornamen eintragen lassen wollte, kamen erste Zweifel auf. Im Dezember 2015 wurde er verhaftet. Die Reederei suspendierte den vermeintlichen Arzt danach – nachdem Staatsanwaltschaft und Ärztekammer das Unternehmen über den Fall informiert hatten. „Wir wurden von dem Mann umfassend getäuscht“, teilte ein Sprecher Anfang Dezember mit. Man unterstütze die Berliner Behörden bei ihren Ermittlungen. Das Urteil soll im August gesprochen werden.
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