Ärzteschaft

Ungleichheiten bei der Diabetesversorgung vermeiden

  • Dienstag, 24. Februar 2026
/DisobeyArt, stock.adobe.com
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Berlin – Vor Ungleichheiten in der Diabetesversorgung aufgrund regionaler Unterschiede, einem Zugang zu digitalen Versorgungspfaden oder auch Gender-bezogenen Faktoren warnte heute die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG).

Bei der sozialen Gerechtigkeit in der Diabetesversorgung stelle das Geschlecht mehr als einen Randaspekt dar, betonte Julia Szendrödi, Präsidentin der DDG und Ärztliche Direktorin der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie, Stoffwechselkrankheiten und Klinische Chemie des Universitätsklinikums Heidelberg.

Derzeit würden biologische Unterschiede, lebensphasenspezifische Risiken und Versorgungsbrüche entlang der Sektoren dazu führen, dass Frauen mit Diabetes häufig später diagnostiziert, anders behandelt und in Hochrisikosituationen nicht ausreichend strukturiert begleitet würden.

Szendrödi verwies unter anderem darauf, dass Frauen nach Gestationsdiabetes ein deutlich erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen tragen. Dieses Risiko sei evidenzbasiert und prognostisch hoch relevant – trotzdem gingen viele Betroffene nach der Entbindung in der Versorgungsrealität verloren.

Aus Sicht der DDG sind deshalb eine klare diabetologische Zuständigkeit in der Übergabe von Geburtshilfe zur hausärztlichen und fachärztlichen Betreuung, strukturierte Nachsorgekonzepte nach Gestationsdiabetes, mehr spezialisierte diabetologische Kompetenz im stationären Bereich sowie digitale Erinnerungs- und Dokumentationsstrukturen über die elektronische Patientenakte (ePA) notwendig.

Digitalisierung verändert Gesundheitssystem

Grundsätzlich verändere die Digitalisierung das Gesundheitssystem mit enormer Geschwindigkeit, fügte Tobias Wiesner, Vizepräsident der DDG, hinzu. Davon sei Diabetes als eine „Datenmanagementerkrankung“ besonders betroffen, weil täglich viele Daten aus Blutzuckermessungen, Gewichtsmanagement, Angaben von Nahrungsmengendaten oder auch Insulineinheiten dokumentiert werden.

Bereits jetzt könne man beobachten, dass digitale Tools die Therapietreue verbessern, eine bessere Vernetzung zwischen Patienten und Ärzten ermöglichen sowie personalisierte Unterstützung bieten könnten. Perspektivisch sei man so in der Lage, die Trennung zwischen Prävention und Therapie aufzuheben, erläuterte Wiesner. Eine digitale Exklusion im Gesundheitssystem müsse aufgrund dieser Vorteile unbedingt vermieden werden.

Dafür brauche es einen niedrigschwelligen Zugang zur ePA für alle Versicherten, ein digitales DMP sowie eine adäquate Honorierung des personellen und zeitlichen Aufwandes der Diabetestechnologie in den Schwerpunktpraxen, so Wiesner.

Auf soziale und regionale Ungleichheiten beim Diabetesrisiko und beim Zugang zur Versorgung wies DDG-Mediensprecher Baptist Gallwitz hin. Laut diversen Studien bestehe ein Zusammenhang zwischen sozialer Benachteiligung und der Prävalenz des bekannten und unerkannten Diabetes sowie im Diabetesrisiko. Zusätzlich folge die Prävalenz des Typ-2-Diabetes nicht nur einem sozioökonomischen, sondern auch einem regionalen Gefälle.

Menschen in benachteiligten Regionen, die beispielsweise durch niedriges Durchschnittseinkommen der Bevölkerung, Arbeitslosigkeit, geringe kommunale Einnahmen oder unattraktive Umwelt-, Versorgungs- und Freizeitmöglichkeiten gekennzeichnet sind, hätten – auch unabhängig vom individuellen Sozialstatus der Bewohner – ein höheres Risiko für einen Typ-2-Diabetes, so Gallwitz.

Seitens der DDG unterstütze man daher Forderungen in Richtung der Bundesregierung, umfassende und wirksame Präventionsmaßnahmen nach dem „Health-in-all-policies“ Ansatz, die Menschen in allen Lebensphasen und aus allen sozialen Gruppen gleichermaßen erreichen, umzusetzen.

Dies umfasse unter anderem steuerliche Instrumente, die eine gesündere Lebensmittelwahl erleichtern und helfen, bei Getränken den Zuckerkonsum zu senken. Gallwitz plädierte zudem für eine verbindliche, transparente und barrierefreie Lebensmittelkennzeichnung.

aha

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