Politik

Universitätskliniken fordern Infrastruktur für personalisierte Medizin

  • Mittwoch, 19. April 2017

Berlin – Der Verband der Universitätsklinika Deutschlands und der Medizinische Fakul­tätentag (MFT) unterstützen die Forderung des Forums Gesundheitsforschung, die In­frastruktur für die Hochdurchsatz-Sequenzierung deutschlandweit strate­gisch zu planen und aufzubauen. Das Forum Gesundheitsforschung ist ein vom Bundesministerium für Bil­dung und For­schung (BMBF) initiiertes Expertengremium. In einem Strategiepapier hatte es kürzlich empfohlen, die Infrastruktur für die schnelle Entschlüsselung menschli­cher Erbinformationen – die „Hochdurchsatz-Sequenzierung“ – besser zu planen.

„Die Medizin der Zukunft wird eine personalisierte Medizin sein. Maßgeschneiderte Prä­ven­tion, Diagnostik und Therapie können Realität werden“, heißt es in dem Strategie­pa­pier des Forums. Die entstehen­den Zentren für die Genanalysen sollten laut dem Forum neben der Entwicklung tech­nischer Verfahren auch die Beratung und Qualitätssicherung übernehmen.

Genanalysen eng an die Kliniken binden

„Auf Basis von sogenannten Next-Generation-Sequencing-Technologien (NGS) wird sich die Medizin im Bereich der personalisierten Medizin und Präzisionsmedizin rasch weiter­entwickeln. Bislang hinkt die biomedizinische Forschung in Deutschland in diesem Be­reich allerdings deutlich hinterher, und es gibt nur dezentrale Lösungen, die weder nach­haltig genug ausgebaut, noch ausfinanziert sind“, hieß es jetzt vom Verband der Univer­sitäts­klinika Deutschlands und dem MFT. Die vom Forum Gesundheitsforschung gefor­de­rte Strategie zum Aufbau einer nationalen Infrastruktur für Hochdurchsatz-Se­quen­zie­rung könne die medizinische Forschung und Krankenversorgung in Deutsch­land maß­geb­lich verbessern.

„Zugleich würde eine übergreifende Netzwerkstrategie dazu beitragen, Ressourcen zu bündeln und Kosten gering zu halten“, kommentierte Heyo Kroemer, Präsident des MFT, die Empfehlung. Wichtig sei, die Zentren für die Genanalysen eng an die Kliniken anzu­binden. „Die Gensequenzierung hat riesiges Potenzial für die Verbesserung vieler Be­hand­lungen. Wir müssen aber noch viel Erfahrung sammeln, welche Patienten von die­ser Technologie letztlich wirklich profitieren“, sagte Michael Albrecht, erster Vor­sitzender des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands.

In der Schweiz arbeitet bereits eine nationale Initiative, um die Entwicklung der perso­nali­sierten Medizin zu fördern. Der Auftrag kam vom Staatssekretariat für Bildung, For­schung und Innovation des Landes die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW). Die „Swiss Personalized Health Network“-Initi­ative soll eine Har­monisierung der Informationssysteme und Datentypen aus den betei­lig­ten Institutio­nen ge­währleisten und den für die Forschung notwendigen Austausch von gesundheits­bezo­genen Daten ermöglichen.

In Deutschland sei „die Nutzung der vorhandenen Ressourcen stark von individuellen Interessen und lokalen Gegebenheiten geprägt. Eine international kompetitive For­schung zum Wohle von Patienten ist so nicht durchführbar“, heißt es in dem Stragie­papier des Forums Gesundheitsforschung. Damit Deutschland nicht international abge­hängt werde, „bedarf es daher eines Paradigmenwechsels in der Etablierung und Nut­zung der Infrastrukturen für die Next-Generation-Sequencing-Technologien “, so die Wissenschaftler.

hil

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