Universitätskliniken fordern Infrastruktur für personalisierte Medizin
Berlin – Der Verband der Universitätsklinika Deutschlands und der Medizinische Fakultätentag (MFT) unterstützen die Forderung des Forums Gesundheitsforschung, die Infrastruktur für die Hochdurchsatz-Sequenzierung deutschlandweit strategisch zu planen und aufzubauen. Das Forum Gesundheitsforschung ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiiertes Expertengremium. In einem Strategiepapier hatte es kürzlich empfohlen, die Infrastruktur für die schnelle Entschlüsselung menschlicher Erbinformationen – die „Hochdurchsatz-Sequenzierung“ – besser zu planen.
„Die Medizin der Zukunft wird eine personalisierte Medizin sein. Maßgeschneiderte Prävention, Diagnostik und Therapie können Realität werden“, heißt es in dem Strategiepapier des Forums. Die entstehenden Zentren für die Genanalysen sollten laut dem Forum neben der Entwicklung technischer Verfahren auch die Beratung und Qualitätssicherung übernehmen.
Genanalysen eng an die Kliniken binden
„Auf Basis von sogenannten Next-Generation-Sequencing-Technologien (NGS) wird sich die Medizin im Bereich der personalisierten Medizin und Präzisionsmedizin rasch weiterentwickeln. Bislang hinkt die biomedizinische Forschung in Deutschland in diesem Bereich allerdings deutlich hinterher, und es gibt nur dezentrale Lösungen, die weder nachhaltig genug ausgebaut, noch ausfinanziert sind“, hieß es jetzt vom Verband der Universitätsklinika Deutschlands und dem MFT. Die vom Forum Gesundheitsforschung geforderte Strategie zum Aufbau einer nationalen Infrastruktur für Hochdurchsatz-Sequenzierung könne die medizinische Forschung und Krankenversorgung in Deutschland maßgeblich verbessern.
„Zugleich würde eine übergreifende Netzwerkstrategie dazu beitragen, Ressourcen zu bündeln und Kosten gering zu halten“, kommentierte Heyo Kroemer, Präsident des MFT, die Empfehlung. Wichtig sei, die Zentren für die Genanalysen eng an die Kliniken anzubinden. „Die Gensequenzierung hat riesiges Potenzial für die Verbesserung vieler Behandlungen. Wir müssen aber noch viel Erfahrung sammeln, welche Patienten von dieser Technologie letztlich wirklich profitieren“, sagte Michael Albrecht, erster Vorsitzender des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands.
In der Schweiz arbeitet bereits eine nationale Initiative, um die Entwicklung der personalisierten Medizin zu fördern. Der Auftrag kam vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation des Landes die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW). Die „Swiss Personalized Health Network“-Initiative soll eine Harmonisierung der Informationssysteme und Datentypen aus den beteiligten Institutionen gewährleisten und den für die Forschung notwendigen Austausch von gesundheitsbezogenen Daten ermöglichen.
In Deutschland sei „die Nutzung der vorhandenen Ressourcen stark von individuellen Interessen und lokalen Gegebenheiten geprägt. Eine international kompetitive Forschung zum Wohle von Patienten ist so nicht durchführbar“, heißt es in dem Stragiepapier des Forums Gesundheitsforschung. Damit Deutschland nicht international abgehängt werde, „bedarf es daher eines Paradigmenwechsels in der Etablierung und Nutzung der Infrastrukturen für die Next-Generation-Sequencing-Technologien “, so die Wissenschaftler.
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