Medizin

USA: Elotuzumab zur Behandlung des Multiplen Myeloms zugelassen

  • Mittwoch, 2. Dezember 2015

Silver Spring – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat innerhalb von einem Monat den zweiten monoklonalen Antikörper zur Behandlung des Multiplen Myeloms zugelassen. Auf Daratumumab, das den Oberflächenmarker CD38 erkennt, folgt jetzt Elotuzumab, das gegen das Merkmal SLAMF7 gerichtet ist.

Das Glykoprotein SLAMF7 („Signaling Lymphocytic Activation Molecule Family Member 7“) wird von den Zellen des Tumors und von natürlichen Killerzellen gleichermaßen gebildet. Elotuzumab bindet an beiden Zellen, was aber eine unterschiedliche Wirkung hat. Die Killerzellen werden durch den Antikörper aktiviert, die Zellen des Knochen­marktumors werden dagegen durch die Markierung mit Elotuzumab zu einem Angriffsziel der Killerzellen. Elotuzumab gehört damit zu den immunmodulierenden Wirkstoffen.

Dass dies zu einer deutlichen Reduktion der Tumorlast führt, konnte der Hersteller in einer Phase-3-Studie (ELOQUENT-2) zeigen, deren Ergebnisse kürzlich im New England Journal of Medicine (2015; 373: 621-31) publiziert wurden. An der Studie hatten 646 Patienten mit Multiplem Myelom teilgenommen, bei denen es nach bis zu drei früheren Therapien zu einer erneuten Tumorprogression gekommen war. Alle Patienten erhielten die in dieser Situation derzeit übliche Behandlung aus Lenalidomid plus Dexamethason. Die Hälfte wurde zusätzlich mit Elotuzumab behandelt. Unter der Dreierkombination kam es bei 78,5 Prozent der Patienten zu einer partiellen oder kompletten Remission gegenüber einer Rate von 65,5 Prozent unter der derzeitigen Standardbehandlung aus Lenalidomid plus Dexamethason, aber ohne Elotuzumab.

Dies hatte eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens von 14,9 auf 19,4 Monate zur Folge, welche die FDA zur Zulassung bewog. Gegen Ende der Studie zeichnet sich auch ein Vorteil im Gesamtüberleben ab: Unter der Dreier-Kombination mit Elotuzumab waren 94 von 318 Patienten (30 Prozent) gestorben. Unter der Zweier­kombination ohne Elotuzumab waren es 116 von 317 Patienten (37 Prozent).

Die häufigsten Nebenwirkungen von Elotuzumab sind laut FDA Müdigkeit, Durchfall, Fieber, Verstopfung, Husten, periphere Neuropathie, Nasopharyngitis, Infektionen der oberen Atemwege, Appetitmangel und Pneumonien. Die FDA hatte das Mittel, das der Hersteller als Empliciti einführen will, einem beschleunigten Zulassungsverfahren („breakthrough therapy designation“) unterzogen und die Hersteller genießen aufgrund einer „orphan drug designation“ steuerliche Vorteile.

Der Hersteller hat auch bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) die Zulassung beantragt, die derzeit in einem beschleunigten Zulassungsverfahren bearbeitet wird und in Kürze abgeschlossen sein dürfte.

rme

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung