Medizin

USA: Zweite Chance für Appetitzügler Qnexa?

  • Donnerstag, 23. Februar 2012

Rockville. Die umstrittene Diätpille Qnexa, deren Zulassung die FDA vor zwei Jahren auf Anraten externer Gutachter noch abgelehnt hatte, könnte jetzt doch zugelassen werden. Auf einer erneuten Tagung sprachen sich die Gutachter mit überwältigender Mehrheit für eine Einführung aus. Dies FDA ist nicht an das Votum gebunden richtet sich aber in der Regel danach.

Qnexa enthält die Wirkstoffe Phentermin und Topiramat. Phentermin wurde bereits 1959 von der FDA zugelassen. Es war Bestandteil des Appetitzüglers Fen-Phen, der in den 90er Jahren verboten wurde, nachdem es zu vermehrten Herzklappenschäden gekommen war. Diese werden heute jedoch auf Fenfluramin, den anderen Wirkstoff in Fen-Phen zurückgeführt. Fenfluramin wird jetzt durch das Antiepileptikum Topiramat ersetzt, zu dessen Nebenwirkungen eine Gewichtsabnahme gehört.

Topiramat hat jedoch noch andere Nebenwirkungen, die in einer umgrenzten medizinischen Indikation wie der Prävention von epileptischen Anfällen hinnehmbar sind, beim schwer einzuschränkenden Einsatz als Diätpille jedoch problematisch sein können. Dazu gehört eine erhöhte Suizidalität sowie die Teratogenität. Topiramat kann Lippen-Kiefer-Gaumenspalten auslösen. Hinzu kommt eine leichte Steigerung von Herzrate und Blutdruck, die Anwendern mit kardialen Risikofaktoren gefährlich werden könnten.

Der Hersteller konnte die Gutachter jedoch durch Studien überzeugen, die aufgrund einer deutlichen Reduktion des Körpergewichts um 10 Prozent und günstigen Auswirkungen auf die Lipidparameter eher auf eine kardioprotektive Wirkung hindeuten. Das positive Votum der Gutachter wurde nach Einschätzung von Beobachtern auch durch den Umstand gefördert, dass die Mehrheit der Amerikaner übergewichtig ist, es aber derzeit keine überzeugende medikamentöse Therapie gibt. Das einzige zugelassene Medikament zur Behandlung der Adipositas ist Xenical (Wirkstoff: Orlistat). Es wurde 1999 eingeführt, wird aber wegen seiner gastrointestinalen Nebenwirkungen kaum verordnet. Die FDA will dem Vernehmen nach am 17. April entscheiden, ob Qnexa zugelassen wird.

rme

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