Verbände plädieren für Bundesagentur als Treiber von Patientenakten
Berlin – Mit dem Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen, kurz E-Health-Gesetz, wurde zwar eine wichtige Basis für Digitalisierung geschaffen. Es fehlt aus Expertensicht jedoch weiterhin eine Gesamtstrategie, um die Digitalisierung im Gesundheitswesen nach vorne zu bringen. Der Digitalverband Bitkom und der Spitzenverband IT-Standards im Gesundheitswesen (SITiG) schlagen daher eine übergreifende „Bundesagentur für digitalisierte Medizin“ vor, um elektronische Patientenakten und darauf aufbauende E-Health-Anwendungen für Versorgung und Forschung schneller verfügbar zu machen.
„Die bestehenden Verfahren sind nicht ausreichend, etwa um Rahmenbedingungen für Interoperabilität und Datensicherheit zu schaffen“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg. „Eine Bundesagentur für digitalisierte Medizin kann Rahmenbedingungen für technische und semantische Interoperabilität und zur Umsetzung von Datenschutz- und Datensicherheitsvorgaben schaffen.“
Als Katalysator der Digitalisierung wirken
Auf Basis einer von der Bundesregierung noch vorzulegenden E-Health-Strategie könnte eine Bundesagentur ressortübergreifend arbeiten, alle relevanten Akteure einbinden und sich zu einem Katalysator der Digitalisierung im Gesundheitswesen entwickeln, meinte die SITiG-Vorsitzende Sylvia Thun. Nur so habe Deutschland eine Chance, zu seinen Nachbarländern und anderen Vorreiternationen aufzuschließen und die Zukunft der Gesundheitsversorgung und der medizinischen Forschung in Europa mitzugestalten. Für die Umsetzung sagen die beiden Verbände ihre Unterstützung zu.
Derzeit sind aus Sicht der Verbände noch nicht alle Akteure im Gesundheitswesen so vernetzt, dass eine integrierte Gesundheitsversorgung möglich ist. Die Fragmentierung des Gesundheitswesens sei ein Hindernis für die bestmögliche Versorgungsqualität, Effizienz und Sicherheit der Patienten. Eine Bundesagentur für digitalisierte Medizin könnte hier Abhilfe schaffen, hieß es.
Eine ähnliche Forderung hatte zuletzt der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, bei einer Diskussionsveranstaltung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung erhoben. Ihm zufolge bietet die für die Telematikinfrastruktur verantwortliche Betriebsgesellschaft gematik aufgrund der unterschiedlichen Interessen der Vertragspartner hierfür keine Möglichkeiten.
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