Verbrauchermonitor: Mehr als jeden Zweiten beunruhigen Salmonellen und Mikroplastik

Berlin – Immer mehr Menschen sorgen sich in Deutschland um Antibiotikaresistenzen, sowie um Mikroplastik und Salmonellen in Lebensmitteln. Das zeigt der aktuelle BfR-Verbrauchermonitor – eine regelmäßige Bevölkerungsumfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Die stärkste Zunahme verzeichnet dabei Mikroplastik: Noch vor einem halben Jahr waren 45 Prozent beunruhigt darüber, inzwischen sind es mehr als die Hälfte der Befragten.
Als repräsentative Verbraucherbefragung liefert das BfR in halbjährlichem Abstand Einsichten zu der Frage, wie die deutschsprachige Bevölkerung gesundheitliche Risiken wahrnimmt. Dafür werden etwa 1.000 Personen, die in Privathaushalten in Deutschland leben und mindestens 14 Jahre alt sind, telefonisch interviewt.
Nach wie vor nehmen die Befragten Rauchen, Klima- und Umweltbelastung sowie eine ungesunde oder falsche Ernährung als die größten gesundheitlichen Risiken wahr. Fragt man nach ausgewählten Themen, so führen Salmonellen, gentechnisch veränderte Lebensmittel, Antibiotikaresistenzen und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln immer noch die Bekanntheitsskala an – gefolgt von Mikroplastik in Lebensmitteln, Aluminium in Lebensmittelverpackungen und Kohlenmonoxid. Dabei sind Antibiotikaresistenzen und Mikroplastik die Themen, die bei den meisten Befragten für Beunruhigung sorgen. Am wenigsten besorgniserregend finden Verbraucher Genome Editing – allerdings haben davon auch 84 Prozent noch nie etwas gehört.
Um Kohlenmonoxid sorgt sich nur jeder Dritte
Im Vergleich zur letzten Umfrage ist die Bevölkerung deutlich besorgter um Mikroplastik: Hier ist die Beunruhigung um 11 Prozentpunkte gestiegen, bei Aluminium in Verpackungen um 8 Prozent und bei Salmonellen gab es einen Anstieg um 7 Prozent. Kohlenmonoxid – in diesem Jahr erstmalig abgefragt und dem Großteil der Befragten bekannt – hält im Vergleich dazu nur ein gutes Drittel für beunruhigend.
Spielzeug wird im Vergleich zur Vorgängerbefragung als genauso sicher eingeschätzt. Bei Textilien und Kosmetika ist das Sicherheitsgefühl leicht gesunken. Weiterhin vertrauen die Befragten den staatlichen Stellen in Deutschland überwiegend, dass diese die Gesundheit von Verbrauchern schützen.
BfR will gesundheitliche Auswirkung von Mikroplastik erforschen
Für das BfR ist besonders interessant, ob die öffentliche Wahrnehmung von der wissenschaftlichen Einschätzung abweicht. Aus den bisherigen Studien lässt sich nicht ableiten, wie viele Mikroplastikpartikel die Verbraucher beispielsweise durch den Verzehr von Fisch wirklich aufnehmen. Nachgewiesen wurde Mikroplastik vor allem im Magen-Darm-Trakt von Fischen, der in der Regel aber nicht verzehrt wird. „Um das tatsächliche Risiko von Mikroplastik in der Nahrungskette zu bewerten, benötigen wir verlässlichere Daten, sagt BfR-Präsident Andreas Hensel. Das BfR führe derzeit Studien zur Aufnahme von Mikroplastikpartikeln über den Darm und den möglichen gesundheitlichen Auswirkungen durch. Im Rahmen einer kleinen Studie, die bei einem Kongress in Wien vorgestellt wurde, konnte jetzt erstmals Mikroplastik in Stuhlproben nachgewiesen werden.
Der BfR-Verbrauchermonitor widmet sich einerseits Themen, die in der Öffentlichkeit eine große Aufmerksamkeit erhalten. Andererseits analysiert er Fragen, die bisher weniger im öffentlichen Fokus stehen, aber ebenfalls relevant sind, wie beispielsweise Campylobacter und Schimmelpilzgifte in Lebensmitteln oder die neuartige Methode des Genome Editings zur zielgerichteten Veränderung des Erbguts.
Wie schon in der ersten Umfrage im Jahr 2018 sind diese Themen in der öffentlichen Wahrnehmung wenig sichtbar und werden daher auch nicht als besonders beunruhigend angesehen. Ebenso spielt Lebensmittelhygiene zu Hause nur eine geringe Rolle im Bewusstsein von Verbraucherinnen und Verbrauchern.
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