Versorgung mit Blutprodukten in Deutschland erneut gefährdet

München – In Deutschland droht erneut das Spenderblut knapp zu werden, da weiterhin viele Menschen aus Angst vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 den Blutspendeterminen fernbleiben. Im Vorfeld ihres diesjährigen virtuellen Jahreskongresses rief die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) die Bürger und Bürgerinnen deshalb zur Blutspende auf.
Hermann Eichler, 1. Vorsitzender der DGTI, berichtete aber auch, dass es in Deutschland keine zentrale Überwachung der Blutvorräte gebe. „Wir brauchen nicht nur ein Monitoring des Spenderaufkommens, sondern auch ein Monitoring des Verbrauchs von Blutprodukten, der regional sehr unterschiedlich ist.“ Die DGTI strebe deshalb an, dass diese Daten gesetzlich verpflichtend erhoben werden.
Angst vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 müsse niemand haben, fuhr Eichler in seinem Aufruf zur Blutspende fort: „Für Blutspendetermine galten schon immer hohe Hygienevorschriften, die in der Pandemie aber nochmals verschärft wurden.“
Bereits zu Beginn der Krise hatten sich die Lager der Blutbanken bedrohlich gelehrt. Öffentlichkeitswirksame Aufrufe zur Blutspende hätten damals dazu geführt, dass viele Menschen im Frühling erstmals oder wiederholt zur Blutspende gegangen seien – und die Vorräte hätten aufgestockt werden können, berichtete der Direktor des Instituts für Klinische Hämostaseologie und Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum des Saarlandes.
Allerdings sei frisch gespendetes Blut nur begrenzt haltbar. Während Erythrozytenkonzentrate bis zu 42 Tagen gelagert werden können, verfallen Thrombozytenkonzentrate schon vier bis fünf Tage nach der Blutspende. Verschärft wird die aktuelle Lage durch den langfristigen demographischen Trend – viele Blutspender werden zu alt – und die Sommerzeit, in der traditionell weniger Menschen zum Blutspenden gehen.
Blutverbrauch in Krankenhäusern steigt wieder
Und der Bedarf an Blutprodukten in Deutschland nimmt wieder zu: Während der Pandemie waren elektive Eingriffe verschoben worden, wodurch der Blutverbrauch in den Krankenhäusern um etwa 30 Prozent zurückging. Doch mittlerweile wird wieder operiert – und ein Ende der Krise sei noch immer nicht absehbar, so Eichler.
Der erneute Aufruf zur erstmaligen oder wiederholten Blutspende soll helfen zu verhindern, dass es im weiteren Verlauf der Pandemie nicht doch noch zu ernsten Engpässen in der Blutversorgung kommt. In den Blutspendelokalen werde der 1,5-Meter-Sicherheitsabstand wann immer möglich eingehalten.
Darüber hinaus trügen sowohl Blutspender als auch das Personal des Blutspendedienstes einen Mund-Nasen-Schutz und desinfizierten sich regelmäßig die Hände. Spendewillige, die schon vor Betreten der Spendenlokale Erkältungssymptome zeigten, würden abgelehnt.
Zuletzt betonte Eichler, dass keine Gefahr bestehe, sich über Blutprodukte mit SARS-CoV-2 anzustecken. „Bislang ist kein Fall einer Coronavirusübertragung durch Blut oder Blutprodukte bekannt geworden. Der Hauptübertragungsweg von SARS-CoV-2 ist die Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch“, so der Transfusionsmediziner.
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