Vietnam startet Kampf gegen Missbrauch von Antibiotika
Hanoi – Wegen der Zunahme therapieresistenter Bakterien startet Vietnam als erstes Land Südostasiens eine Kampagne gegen Missbrauch von Antibiotika. Durch strengere Vorschriften über den Einsatz, Aufklärungskampagnen sowie verstärkte wissenschaftliche Forschung solle bis 2020 der Einsatz von Antibiotika drastisch zurückgefahren werden, berichtet heute die Zeitung „Vietnam News“.
Eine Umfrage des Gesundheitsministeriums unter 3.000 Apotheken habe ergeben, dass in den großen Städten 88 Prozent und auf dem Land 91 Prozent der Antibiotika ohne Rezept verkauft werden. Folge des unkontrollierten und unsachgemäßen Gebrauchs von Antibiotika sowie deren Einsatz schon bei simplen Erkältungskrankheiten wie Husten oder Schnupfen habe zur Entwicklung behandlungsresistenter Bakterienstämme geführt.
Kliniken und Ärzte seien kaum noch in der Lage, schwere Erkrankungen von Patienten mit resistenten Bakterien zu therapieren, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums der Zeitung. Bereits 20 Prozent der Tuberkulosepatienten im Land sprächen nicht mehr auf Antibiotika an.
Missbrauch von Antibiotika ist ein weltweites Problem. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation waren bereits 2011 weltweit 630.000 der zwölf Millionen Tuberkuloseerkrankungen resistent. Die Akademie der Wissenschaften in Hamburg und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina schätzten in einer gemeinsamen Erklärung, dass allein in der EU jährlich rund 25.000 Patienten an den Folgen von Infektionen mit resistenten Bakterien und Krankenhauskeimen sterben.
Der Chefwissenschaftler der australischen Regierung, Ian Chubb, sagte kürzlich bei der Vorstellung einer Studie über die Gefahren durch Antibiotikaresistenzen: „Wir sehen uns der ernsten Gefahr gegenüber, dass die Menschheit zu einer Ära zurückkehrt, in der die Mortalität durch Infektionskrankheiten hoch war.“
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