Weibliche Genitalverstümmelung: Grüne wollen mehr Hilfsangebote für Betroffene

Berlin – Die Grünen drängen auf eine konsequentere Strafverfolgung und mehr Unterstützungsangebote bei weiblicher Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, FGM). Das betonte Ulle Schauws, Sprecherin für Frauenpolitik der Bundestagsfraktion der Grünen und Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
„Wir setzen uns für einen wirksamen Schutz des Rechts auf körperliche Unversehrtheit ein“, sagte sie zum internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung am 6. Februar.
Dazu gehörten neben einer konsequenten strafrechtlichen Verfolgung von FGM und dem Ausbau spezialisierter Hilfsangebote auch Schulungen von Ärzten sowie Lehr- und Sozialkräften. „Nur so kann die Versorgung Betroffener verbessert und diese Form geschlechtsspezifischer Gewalt wirksam verhindert werden“, so Schauws.
Weltweit sind nach Schätzungen von Hilfsorganisationen rund 230 Millionen Frauen von den Folgen weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Das seien etwa 30 Millionen mehr als noch vor zehn Jahren, teilte die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) mit.
Zunehmend werde der Eingriff von medizinischem Fachpersonal vorgenommen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sei dies inzwischen bei jeder vierten Genitalverstümmelung der Fall. Diese sogenannte Medikalisierung berge die Gefahr, dass die Praxis gesellschaftlich akzeptiert werde, warnte die DSW. Der Schaden für die Betroffenen besteht demnach unabhängig davon, wer den Eingriff vornimmt.
Einer aktuellen Analyse des Netzwerks End FGM zufolge ist weibliche Genitalverstümmelung mittlerweile in mindestens 94 Ländern dokumentiert. 58 Staaten verfügten über Gesetze, die die Praxis ausdrücklich verbieten. Auch in Europa lebten rund 600.000 Mädchen und Frauen mit verstümmelten Genitalien.
Weibliche Genitalverstümmelung wird laut der Stiftung meist an Mädchen vor der Pubertät vorgenommen und umfasst verschiedene Eingriffe an den äußeren Genitalien ohne medizinische Indikation. Zu den möglichen Folgen zählen unter anderem Schmerzen, Infektionen, Komplikationen bei Geburten sowie psychische Traumata. Viele der gesundheitlichen Schäden blieben lebenslang, hieß es.
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