Weichteilsarkom: EMA empfiehlt bedingte Zulassung von Olaratumab
London – Patienten mit fortgeschrittenen Weichteilsarkomen, für die Radiotherapie oder Operation nicht infrage kommen, sollen in Zukunft mit dem monoklonalen Antikörper Olaratumab behandelt werden können, der in einer Phase 2-Studie eine lebensverlängernde Wirkung erzielt hat. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMO) der europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) sprach sich für eine Zulassung aus, die allerdings an die Durchführung einer Phase 3-Studie gebunden ist.
Weichteilsarkome, also bösartige Tumore von Fettgewebe, Muskelgewebe, Bindegewebe sowie Blutgefäßen und Nerven, sind relativ selten. Obwohl der Körper zur Hälfte aus diesen Geweben besteht, entfallen nur etwa ein Prozent aller Krebserkrankungen auf Weichteilsarkome. Die Behandlung ist jedoch schwierig. In 40 bis 60 Prozent der Fälle kommt eine Operation zu spät und die Erfolge von Radiotherapie und Chemotherapie sind begrenzt.
Die durchschnittliche Überlebenszeit liegt bei unter fünf Jahren. Sie hat sich in den letzten 40 Jahren nicht verbessert. Umso überraschender waren die Ergebnisse einer ersten klinischen Studie mit Olaratumab. Der monoklonale Antikörper blockiert den PDGF-Rezeptor-alpha („platelet-derived growth factor receptor“), der ein wichtiger Signalweg bei Weichteilsarkomen ist.
Die ersten Behandlungsversuche bei 15 Patienten einer Phase 1-Studie zeigte, dass sich die Tumore unter der Therapie mit Olaratumab häufig zurückbilden. In der anschließenden Phase 2-Studie wurden dann 133 Patienten auf eine Therapie mit Olaratumab plus Doxorubicin oder Placebo plus Doxorubicin randomisiert.
Wie die im letzten Jahr auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology in Chicago vorgestellten und kürzlich im Lancet (2016; 388: 488-497) publizierten Ergebnisse zeigen, verlängerte Olaratumab die mediane Überlebenszeit von 14,7 auf 26,5 Monate, ein für diese Tumore ungewöhnlich gutes Ergebnis.
Sofern die Europäische Kommission keine Einwände erhebt, wird der Antikörper demnächst zur Behandlung von Weichteilsarkomen zur Verfügung stehen. Die Indikation ist beschränkt auf Patienten mit einem Weichteilsarkom im fortgeschrittenen Stadium, wenn eine Radiotherapie oder Operation nicht infrage kommen und wenn früher noch keine Doxorubicin-Gabe erfolgt ist. Die Zulassung ist an die Durchführung einer Phase 3-Studie gekoppelt, an der in 118 Zentren 460 Patienten teilnehmen sollen. Ergebnisse sollen Anfang 2019 vorliegen. Dann soll über eine endgültige Zulassung entschieden werden.
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