West-Nil-Virus aus zwölf europäischen Ländern gemeldet

Stockholm – Das von Stechmücken übertragene West-Nil-Virus breitet sich nach Angaben der EU-Gesundheitsbehörde ECDC in Europa weiter aus. Das meldete das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten in Stockholm.
Demnach gab es seit Jahresbeginn bereits in zwölf europäischen Ländern vor Ort übertragene Fälle. Neben Deutschland, Frankreich und Österreich sind demnach auch Albanien, Griechenland, Italien, die Niederlande, Nordmazedonien, Rumänien, Serbien, der Kosovo und Spanien betroffen.
Infektionen wurden aus 99 Regionen gemeldet. Die meisten Fälle gab es laut ECDC in Italien mit 311 und Griechenland mit 157 Infektionen. In 21 Regionen in ganz Europa trat das West-Nil-Virus zum ersten Mal auf. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatten 67 Regionen in neun europäischen Ländern West-Nil-Virusinfektionen gemeldet.
Wie das nordmazedonische Gesundheitsministerium vorgestern mitteilte, wurden in dem Balkanstaat in jüngster Zeit insgesamt 43 Infektionen mit dem Virus bei Menschen festgestellt, der Großteil davon in den vergangenen drei Wochen. Fünf Infizierte seien gestorben.
Die Ausweitung der Übertragung des West-Nil-Virus sowie die Verbreitung invasiver Mückenarten zeigten, „warum Europa seine Kapazitäten zur Mückenbekämpfung ausbauen muss“, erklärte ECDC-Abteilungsleiterin Céline Gossner.
Für eine „wirksame Mückenbekämpfung“ forderte sie eine länderübergreifende Zusammenarbeit und einen „integrierten Ansatz“. Dieser umfasse neben der Überwachung der Mückenpopulationen auch die Einbindung der Bevölkerung sowie „gezielte Lösungen zur Mückenbekämpfung unter Berücksichtigung der Umweltauswirkungen“.
Das Virus wurde erstmals 1937 im West-Nil-Gebiet in Uganda nachgewiesen. Ein Großteil der Infektionen verläuft asymptomatisch oder mit leichten Symptomen, weshalb nur ein kleiner Teil überhaupt erfasst wird. Infizierte, bei denen die Krankheit ausbricht, entwickeln grippeähnliche Symptome wie Zittern und Fieber. In schweren Fällen können Erkrankte ins Koma fallen. Über die Blutbahn kann das Virus zudem bis ins Gehirn gelangen und eine lebensbedrohliche Hirnhautentzündung (Meningitis) auslösen.
In Europa treten die meisten Infektionen während der Mückensaison zwischen Frühjahr und Herbst auf. Hochzeit der Übertragungen ist zwischen Juli und September. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es weder zugelassene Impfstoffe für Menschen noch spezifische Behandlungsmethoden gegen das Virus.
In Europa breitet sich laut ECDC außerdem die Asiatische Tigermücke weiter aus. Sie kommt inzwischen in 16 europäischen Ländern vor – das sind doppelt so viele wie noch vor zwölf Jahren. Die Asiatische Tigermücke kann Krankheitserreger wie das Chikungunya-, das Dengue- oder das Zikavirus auf Menschen übertragen.
Deutsches Ärzteblatt bei Google bevorzugen
Wenn Sie Deutsches Ärzteblatt als bevorzugte Quelle festlegen, können Inhalte von uns in Ihren Google-Ergebnissen sichtbarer erscheinen.
Jetzt bei Google bevorzugenDiskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: