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WHO-Bericht: Jeder vierte Jugendliche weltweit ohne aktiven Tag pro Woche

  • Mittwoch, 4. November 2026
/izmargad, stock.adobe.com
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Genf – Weltweit kommt etwa ein Viertel der Jugendlichen innerhalb einer Woche auf keinen einzigen Tag mit mindestens 60 Minuten körperlicher Aktivität. Darauf weist die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem neuen Report zur körperlichen Aktivität von elf- bis 17-Jährigen hin, der unter dem Titel „Eine Generation, die zu kurz kommt“ veröffentlicht wurde (2026; DOI: 10.2471/B09945).

Demnach berichteten 2025 rund 25 Prozent der Jugendlichen über keinen einzigen aktiven Tag pro Woche. Das entspreche etwa 240 Millionen jungen Menschen weltweit.

Grundlage der Auswertung sind laut WHO 389 bevölkerungsbasierte Erhebungen aus 140 Ländern und Territorien mit Daten von mehr als 3,2 Millionen Jugendlichen. Im Mittel kamen die Befragten auf 2,7 aktive Tage pro Woche.

Nur 14 Prozent gaben an, an allen sieben Tagen der Vorwoche jeweils mindestens 60 Minuten moderat bis intensiv körperlich aktiv gewesen zu sein. Dabei erreichten nur elf Prozent der Mädchen, aber 17 Prozent der Jungen dieses Aktivitätsniveau.

Aus ärztlicher Sicht unterstreichen die Daten die Bedeutung von Bewegung als einem zentralen Mittel der Prävention. Denn körperliche Inaktivität gilt als wichtiger Risikofaktor für nicht übertragbare Erkrankungen. Zugleich verweist die WHO auf positive Effekte für psychische Gesundheit und Wohlbefinden.

„Seit 15 Jahren hat die Welt fast keine Fortschritte dabei erzielt, junge Menschen zu mehr Bewegung zu motivieren, und Mädchen bleiben dabei am stärksten auf der Strecke“, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO.

„Die Lösung besteht nicht darin, Jugendlichen zu sagen, sie sollen sich mehr anstrengen. Vielmehr müssen Schulen, Straßen und Gemeinschaften geschaffen werden, in denen Bewegung, Spielen und aktives Leben sicher, einfach und selbstverständlich sind.“

Mädchen deutlich seltener aktiv

Besonders ausgeprägt ist die geschlechtsspezifische Ungleichheit. Nach den WHO-Daten berichteten 28 Prozent der Mädchen, aber 22 Prozent der Jungen, in der Vorwoche keinen einzigen aktiven Tag gehabt zu haben. Täglich aktiv waren nur elf Prozent der Mädchen gegenüber 17 Prozent der Jungen. Laut WHO waren Jungen in nahezu allen Ländern und in allen WHO-Regionen aktiver als Mädchen.

Die WHO hebt hervor, dass die Adoleszenz eine wichtige Phase für die Entwicklung lebenslanger Gewohnheiten ist. Zugleich zeigt der Bericht, dass Mädchen beim Aktivitätsniveau weltweit weiterhin deutlich zurückliegen. Die WHO sieht darin auch einen Hinweis darauf, dass viele Umgebungen und Angebote Bewegung für Mädchen noch immer nicht gleichermaßen sicher, einfach und zugänglich machen.

Weniger Aktivität mit steigendem Alter

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine eigenständige begleitende Auswertung, die in The Lancet Global Health erschienen ist (2026; DOI: 10.1016/j.langlo.2026.104099). Dieser Analyse zufolge kommen Mädchen weltweit im Mittel auf 2,4 aktive Tage pro Woche, Jungen auf 3,0 Tage. Der Unterschied zeigte sich in nahezu allen Weltregionen.

In drei Regionen mit vergleichsweise hohen Aktivitätswerten – Zentral- und Osteuropa sowie Zentralasien, Ostasien und der Pazifikraum und die Länder mit hohem Einkommen in Westeuropa und Nordamerika sowie Australien und Neuseeland – nahm die Zahl der aktiven Tage zudem mit dem Alter ab.

17-jährige Mädchen waren dort im Mittel 1,2 bis 1,4 Tage pro Woche weniger aktiv als elfjährige Mädchen. Bei Jungen betrug der Rückgang 0,5 bis 0,8 Tage. Diese Altersunterschiede ließen sich allerdings nicht für alle Weltregionen feststellen.

Kaum Fortschritte seit 2010

Etienne Krug, Direktor der Abteilung für Gesundheitsdeterminanten, Gesundheitsförderung und Prävention der Weltgesundheitsorganisation, betonte auf einer Pressekonferenz zum WHO-Bericht, dass die meisten Todesfälle unserer Zeit auf nicht übertragbare Krankheiten zurückgingen: „Zu deren bekannten Risikofaktoren gehört neben Alkohol und Tabak auch körperliche Inaktivität.“ Körperliche Aktivität vermeide „nicht nur Krankheiten, sondern ist auch wichtig für die mentale Gesundheit und das psychische Wohlbefinden“.

Umso gravierender sei, dass sich die globale Lage in den vergangenen 15 Jahren kaum verbessert habe. Der Anteil der Jugendlichen mit weniger als sieben aktiven Tagen pro Woche lag demnach 2010 wie auch 2025 bei 86 Prozent.

Damit sei die Welt nicht auf Kurs, das globale Ziel einer relativen Verringerung körperlicher Inaktivität um 15 Prozent bis 2030 zu erreichen. Die Projektionen der WHO deuteten vielmehr darauf hin, dass sich ohne zusätzliche Maßnahmen bis 2030 wenig ändern wird.

Die Unterschiede zwischen den Ländern sind dabei erheblich: In manchen Staaten berichteten nur vier Prozent der Jugendlichen über keinen aktiven Tag, in anderen waren es mehr als 40 Prozent. In Deutschland liegt dieser Anteil laut Report bei null bis zehn Prozent, während zehn bis 15 Prozent der Heranwachsenden auf sieben aktive Tage pro Woche kommen.

Aufgeschlüsselt nach Regionen leben laut Report die meisten Jugendlichen mit sieben aktiven Tagen pro Woche unter anderem in Nordamerika, Finnland, der Slowakei, Ungarn, Kasachstan und der Mongolei. Die meisten Jugendlichen komplett ohne aktive Tage finden sich hingegen in Mauretanien, Namibia, Simbabwe, Nepal und den Philippinen.

Allerdings zeigt insbesondere die Karte Afrikas noch viele graue Flächen: Für die entsprechenden Länder auf dem Kontinent, darunter weite Teile nördlich des Äquators, liegen keine Daten vor. Für die WHO sind die Unterschiede dennoch ein Hinweis darauf, dass höhere Aktivitätsniveaus grundsätzlich erreichbar sind – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Bewegung nicht auf Sport reduzieren

Aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation greift es zu kurz, körperliche Aktivität allein als Frage individueller Motivation zu betrachten. Entscheidend seien vielmehr Lebensumfeld, Schulalltag, Verkehrswege, verfügbare Freizeitangebote, Sicherheit und soziale Normen.

Krug sagte dazu: „Mit körperlicher Aktivität meinen wir nicht nur Sport, sondern auch Bewegung im Alltag: Wir müssen es zum Beispiel sicherer machen, Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen.“ Maßnahmen gegen körperliche Inaktivität müssten „genauso wichtig werden wie Maßnahmen gegen Tabak und Alkohol“. Mehr Bewegung sei „nicht nur gut für die Gesundheit, sondern auch für die Wirtschaft und die Umwelt“.

Fiona Bull, Leiterin der WHO-Abteilung für Förderung körperlicher Aktivität und Prävention alkoholbedingter Schäden, verwies darauf, dass junge Menschen durch Bewegungsmangel mehrfach benachteiligt würden: „Kinder verpassen körperliche, mentale und soziale Vorteile.“ Nötig sei ein grundlegender Strategiewechsel: „Wir brauchen einen Wechsel in unserem Denken, unserem System und unseren Werten.“ Außerdem müsse man „körperliche Aktivität einfacher und zugänglicher machen“.

Das Fazit der Lancet-Analyse fällt ähnlich aus: „Um die körperliche Aktivität zu steigern, sind wirksam umgesetzte, kontextspezifische Maßnahmen erforderlich, die den am wenigsten aktiven Jugendlichen Vorrang einräumen, sowie bevölkerungsweite Ansätze, die sozioökonomische, umweltbedingte und kulturelle Hindernisse angehen.“

Beratung allein ist nicht genug

Für die ärztliche Praxis unterstreichen der WHO-Bericht und die Lancet-Auswertung die präventive Bedeutung von Bewegung im Jugendalter. Zugleich macht die WHO deutlich, dass Beratung allein nicht ausreichen wird.

Fiona Bull sagte: „Die aktive Option muss die einfachere Option sein, zum Beispiel durch mehr und sicherere Lauf- und Radwege.“ Bull zufolge müsse dies durch eine entsprechende Stadtplanung unterstützt werden. Zudem gelte: „Körperliche Aktivität gehört ins Herz der Bildung, für alle Geschlechter und alle Fähigkeiten.“

Die WHO fordert deshalb ein koordiniertes Vorgehen über den Gesundheitssektor hinaus – unter Einbeziehung von Bildung, Verkehr, Stadtplanung, Sport und Kommunen.

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