WHO plädiert für mehr Einsatz im Kampf gegen Hepatitis B und C

Genf – Im Kampf gegen Hepatitis mahnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr Forschung, mehr Tests und Behandlungen sowie ein stärkeres politisches Engagement an. 287 Millionen Menschen weltweit lebten mit chronischer Hepatitis B oder chronischer Hepatitis C, schreibt sie zum heutigen Welt-Hepatitis-Tag.
Nach Angaben der WHO leben rund 240 Millionen Menschen weltweit mit Hepatitis B, 1,1 Millionen sterben pro Jahr daran – mehr als doppelt so viele wie an Malaria. An Hepatitis C sterben etwa 240.000 Menschen pro Jahr. Und obwohl die weitaus meisten Hepatitis-C-Erkrankungen seit 2015 geheilt werden können, wurden seitdem nur etwa 20 Prozent der Erkrankten behandelt, wie die WHO bemängelt.
Die WHO empfiehlt routinemäßige Hepatitis-B-Tests bei Schwangeren sowie bei Babys von infizierten Frauen sofort nach der Geburt eine Impfung. Auch die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland rät zu einer Impfung im frühen Lebensalter. Ebenso empfiehlt die STIKO eine Hepatitis-B-Impfung für besonders gefährdete Erwachsene – etwa bei bestimmten Erkrankungen oder einem besonderen Ansteckungsrisiko.
Wie aus einem neuen Bericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hervorgeht, werden Hepatitis B und C weiterhin eine ernstzunehmende Bedrohung bleiben. Demnach wird Europa das selbstgesteckte Ziel, die viralen Hepatitis-Erkrankungen bis 2030 als Gefahr für die öffentliche Gesundheit auszuschalten, verfehlen.
Zwar gab es den Forschenden zufolge in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte bei der Hepatitis-Bekämpfung. So liege die Zahl der Hepatitis-B-Infektionen bei Kindern unter fünf Jahren inzwischen fast bei Null.
Allerdings gebe es Lücken in der Hepatitis-Vorsorge auf Ebene einzelner Länder. So hätten bislang nur neun europäische Staaten die erforderliche Impfquote von 95 Prozent bei Kindern erreicht, in manchen Ländern sei die Quote in den vergangenen Jahren sogar gesunken.
Nach Schätzungen des ECDC leben derzeit rund fünf Millionen Menschen mit einer chronischen Hepatitis in Europa, knapp 60.000 Menschen sterben jährlich an der Krankheit. „Niemand sollte an einer Krankheit sterben, die vermeidbar, diagnostizierbar und behandelbar ist“, betonte Bruno Ciancio vom ECDC.
Der Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands (BNG) wies heute anlässlich des Welt-Hepatitis-Tages darauf hin, dass es noch sehr viele unentdeckte Hepatitis-B- und -C-Erkrankte in Deutschland gibt.
„Trotz nach wie vor hoher Verbreitung sind die Neudiagnosen bei Hepatitis B und C laut Statistik des Robert-Koch-Instituts 2025 im Vergleich zum Vorjahr erheblich zurückgegangen“, mahnte der BNG-Leberexperte des Dietrich Hüppe. Es sei bedauerlich, dass durch Impfung vermeidbare und bei rechtzeitiger Diagnose gut behandelbare Infektionskrankheiten in hohem Maße unentdeckt blieben.
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