WHO stellt globale Roadmap gegen Bluthochdruckerkrankungen in der Schwangerschaft vor

Genf – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat einen neuen globalen Fahrplan gegen Bluthochdruckerkrankungen in der Schwangerschaft vorgestellt. Diese Erkrankungen – einschließlich Präeklampsie – gehören der WHO zufolge nach wie vor zu den häufigsten Ursachen für Tod und schwere Erkrankungen bei Schwangeren und ihren Babys und haben tragische langfristige Folgen für ihre Familien.
Laut der Roadmap treten hypertensive Erkrankungen bei etwa zehn bis 15 Prozent aller Schwangerschaften auf. Von einer Präeklampsie sind etwa drei bis fünf Prozent betroffen. Insgesamt entfallen rund 16 Prozent der weltweiten mütterlichen Todesfälle auf hypertensive Schwangerschaftserkrankungen.
Zu den möglichen schweren Komplikationen bei Schwangeren gehören Schlaganfälle, Lungenödeme, Herzinsuffizienz sowie akute Nieren- und Leberschädigungen. Bei den Kindern sind die Erkrankungen mit einem erhöhten Risiko für Wachstumsrestriktionen, Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht und Totgeburten verbunden.
Auch langfristige gesundheitliche Folgen sind möglich. So haben betroffene Frauen ein erhöhtes Risiko für spätere Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen. Besonders stark betroffen sind nach Angaben der WHO Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen.
„Eine Präeklampsie kann in jeder Schwangerschaft auftreten. Ob sie tödlich verläuft, hängt davon ab, ob der Blutdruck einer Frau rechtzeitig kontrolliert wurde und ob eine hochwertige Notfallversorgung in Reichweite war, als sich der Zustand verschlimmerte“, sagte Pascale Allotey, Direktorin der WHO-Abteilung für sexuelle und reproduktive Gesundheit, Gesundheit von Müttern, Kindern und Jugendlichen sowie des Alterns.
Obwohl sich die wissenschaftlichen Erkenntnisse über hypertensive Schwangerschaftserkrankungen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert haben, ist die dadurch bedingte Sterblichkeit nach WHO-Angaben nur langsam zurückgegangen. Als Gründe nennt die Organisation unter anderem unzureichende Forschungsinvestitionen, unterschiedliche internationale Behandlungsleitlinien und Schwierigkeiten bei der Umsetzung bestehender Empfehlungen.
So seien in vielen Ländern selbst grundlegende Medizinprodukte und Arzneimittel wie Blutdruckmessgeräte, Urinproteintests, niedrig dosierte Acetylsalicylsäure, Antihypertensiva und Magnesiumsulfat nicht zuverlässig verfügbar. Gleichzeitig konzentriere sich die Entwicklung neuer Produkte bislang vor allem auf diagnostische und prognostische Verfahren.
Mit ihrer Roadmap will die WHO deshalb die internationale Zusammenarbeit in fünf Bereichen verbessern: Forschung und Innovation, Leitlinien und Standards, Zugang zu Arzneimitteln und Medizinprodukten, Umsetzung in die Gesundheitsversorgung sowie politische Unterstützung und Rechenschaftspflicht.
Der Fahrplan verdeutlicht laut der WHO auch „eine eklatante Innovationslücke zwischen dem Ausmaß des Problems und dem Mangel an Medikamenten, die speziell für die Prävention oder Behandlung von Präeklampsie oder Eklampsie entwickelt und von den Zulassungsbehörden genehmigt wurden“. Forschungsinvestitionen konzentrierten sich bislang weitgehend auf die Diagnostik, während neue Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten chronisch unterfinanziert seien.
Um dies zu ändern, brachte die WHO mehr als 140 Partner auf einem globalen Gipfel im Mai 2026 zusammen, um 20 vorrangige Forschungsfragen zu identifizieren und zu beantworten, die als Leitfaden für künftige Investitionen dienen sollen.
Zu diesen Forschungsschwerpunkten gehören unter anderem die diagnostische und prognostische Aussagekraft angiogener Biomarker, kombinierte Präventions- und Behandlungsstrategien sowie gemeindenahe Maßnahmen zur Früherkennung und rechtzeitigen Überweisung betroffener Frauen.
Ein weiteres Vorhaben ist die Harmonisierung internationaler Behandlungsempfehlungen. Gemeinsam mit Fachorganisationen wie der International Federation of Gynecology and Obstetrics (FIGO) und anderen will die WHO Möglichkeiten zur Entwicklung globaler Leitlinien prüfen. Deren Veröffentlichung ist für Ende 2027 vorgesehen.
Ab 2028 sind außerdem verstärkte Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für Gesundheitspersonal sowie Programme zur Verbesserung der Versorgungsqualität und der Überweisungsstrukturen geplant.
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