Ärzteschaft

Wie Ärztinnen auf dem Karriereweg unterstützt werden können

  • Donnerstag, 26. März 2026
/nenetus, stock.adobe.com
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Berlin – Mentorenprogramme und Seminare zur Kommunikationsführung können Ärztinnen auf ihrem Karriereweg besonders gut unterstützen. Dies empfahlen Anke Meyer, Chefärztin der Klinik für Endokrine Chirurgie des Universitätsklinikums Wuppertal, und Silke Mertmann, leitende Oberärztin des Adipositaszentrums am Klinikum Tuttlingen, gestern in einer Veranstaltung des Deutschen Ärzteverlags.

Ihr Karriereweg wäre leichter gewesen, wenn sie von Beginn an ein Netzwerk, eine Peer Group oder ein vorgelebtes positives Beispiel gehabt hätte, betonte Meyer. Eine Mentorin, die die Probleme von Ärztinnen auf dem Weg nach oben verstehe, könne viel dazu beitragen, sich als junge Ärztin gestärkt zu fühlen und trotz der vielen Steine, die einem in den Weg gelegt würden, nicht aufzugeben.

„Ohne den Verein der Chirurginnen wäre ich jetzt nicht Chefärztin“, sagt Meyer rückblickend. Berufsverbände und Gruppen, die sich speziell um die Belange von Ärztinnen kümmerten, seien sehr wertvoll. Sie böten Möglichkeiten, um sich mit Gleichgesinnten beispielsweise über strukturelle Probleme, Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder auch Gehaltsverhandlungen auszutauschen.

„Mentorinnen sind absolut wichtig“, betonte auch Mertmann. Man könne sich über die Karriere austauschen und sehen, dass es anderen vielleicht ähnlich gehe. Dass es so wenig Frauen in ärztlichen Führungspositionen gebe, könne man nur mit Vorbildern durchbrechen, an denen sich Jüngere orientieren könnten.

Patriarchale Strukturen als Problem

Hierarchien und festgefahrene patriarchale Strukturen machten die Chirurginnen als wesentliche Probleme auf dem Karriereweg von Ärztinnen aus. Nach wie vor seien die wenigsten Führungspositionen weiblich besetzt.

Männer kommunizierten in diesem Bereich ganz anders und Frauen müssten oft erst lernen, wie sie am besten vermitteln könnten, was sie wollten, so Meyer. Um sich besser durchsetzen zu können, hätten ihr diverse Kommunikationsseminare geholfen. Sie habe sich in diesem Bereich viel weitergebildet und in Alltagssituationen geübt. „Man muss sich richtig verkaufen können und darf nicht zu allem Ja und Amen sagen“, betonte sie.

„Man muss aufpassen, sich nicht die Bienchenarbeiten ans Bein binden zu lassen“, sagte auch Mertmann. Wichtig sei es, regelmäßig Vereinbarkeitsgespräche mit den Chefs zu führen, klare Ziele vor Augen zu haben und nicht einfach mitzulaufen.

Junge Ärztinnen sollten nicht zu lange überlegen, ob sie eine Aufgabe gut genug könnten, sondern sie einfach übernehmen. „Es muss nicht zu hundert Prozent perfekt sein. Perfektion wächst, die hat man nicht von Anfang an“, betonte Mertmann.

Wichtig sei zudem, dass man etwa in Besprechungen keine frauenfeindlichen Sprüche im Raum stehen lasse und männlichen Kollegen immer wieder bewusst machen müsse, dass so nicht über Frauen gesprochen werden sollte, sagte Meyer. „Es ist anstrengend und redundant, aber man muss sich trauen, den Mund aufzumachen.“

Darüber hinaus könne man auch männliche Kollegen auf solche Situationen aufmerksam machen und sie dazu animieren, die Dinge anzusprechen, so Mertmann. Sie würden oft noch einmal mehr gehört.

Besonders schwierig sei die Situation oft für Ärztinnen im gebärfähigen Alter. Sie selbst habe sich viel anhören müssen, als sie nach der Elternzeit wieder anfing, zu arbeiten, berichtete Meyer. „Rückblickend hätte ich mich mehr wehren müssen.“ Wichtig sei, dass man auch anderen Kolleginnen in solchen Situationen beistehe und sich gemeinsam verteidige. Es müsse normaler werden, den Mund aufzumachen, betonte sie.

Um Beruf und Familie gut zu vereinbaren, ist den beiden Chirurginnen zufolge ein Netzwerk wichtig. Die Großeltern in der Nähe zu haben und eine Betriebskita mit Öffnungszeiten, die an den ärztlichen Alltag angepasst seien, seien von großem Vorteil. Außerdem müsse man lernen, dass man nicht gleichzeitig im Beruf und im Privaten perfekt sein könne, sagte Mertmann.

Steige man nach der Elternzeit wieder ein, sei es ratsam, zumindest zu 80 Prozent zu arbeiten, empfahl Mertmann. Dies bringe eine gewisse Regelmäßigkeit rein und zeige auch den Kollegen, dass man wieder verfügbar sei. Vor dem Wiedereinstieg müsse man generell keine Angst haben: Es sei eigentlich wie nach einem Urlaub und man habe sich schnell wieder eingearbeitet, so die Chirurgin.

nfs

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