Wie das Klimaphänomen El Niño Gesundheitsrisiken verändert

Berlin – Das Klimaphänomen El Niño dürfte in den kommenden Monaten in verschiedenen Weltregionen Wetterextreme begünstigen und in der Folge auch Gesundheitsrisiken erhöhen oder verändern. Darauf weisen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Deutsche Fachgesellschaft für Reisemedizin (DFR) hin.
Das Risiko ist ungleich verteilt: So dürften besonders die Bevölkerungen von Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen und Menschen, die humanitären Krisen ausgesetzt sind, besonders betroffen sein – reisemedizinische Vorbereitungen werden aber auch Fernreisenden empfohlen.
Die WHO listet in einem Bericht zum erwarteten El Niño im Zusammenhang mit Extremwettereignissen unter anderem folgende Public-Health-Risiken auf: hitzebedingte Erkrankungen; Infektionen, die über Wasser, Vektoren und Lebensmittel übertragen werden; psychische Belastungen; Mangelernährung infolge von Dürren sowie Verletzungen und Todesfälle.
Zum Beispiel durch Überflutungen und Starkregen kann demzufolge auch die Gesundheitsversorgung selbst beeinträchtigt werden. Zu den möglichen El-Niño-Auswirkungen gehören auch Wald- und Buschbrände und verstärkte Luftverschmutzung. Die WHO geht im Bericht auf länderspezifische Risiken ein, betont aber, dass deren Eintreten nicht gesichert sei, da jedes El-Niño-Phänomen einzigartig sei.
„Auswertungen zeigen, dass starke El Niño-Ereignisse in der Vergangenheit zu einem deutlichen Anstieg mückenübertragener Infektionen in den Tropen und Subtropen geführt haben, insbesondere von Dengue- und Chikungunya-Fieber“, erläuterte die Fachgesellschaft zu einem der möglichen Risiken. Denn wärmere Temperaturen und veränderte Niederschläge könnten die Vermehrung der Überträgermücken begünstigen.
Wie im WHO-Bericht erläutert wird, kann es bei Dürre und Wassermangel auch dazu kommen, dass Wasser in Behältern gesammelt wird und kleinere Wasserstellen in ausgetrockneten Flüssen zurückbleiben, die dann zu Brutstätten für Stechmücken werden.
Auch das Risiko für Malaria könne sich regional verändern, Übertragungszeiten könnten sich verlängern, so die Fachgesellschaft. Eine ihrer reisemedizinischen Empfehlungen lautet: konsequenter Mückenschutz in tropischen und subtropischen Regionen.
Von September an sei in vielen Regionen der Tropen und Subtropen mit außergewöhnlicher Hitze zu rechnen, teilte die Fachgesellschaft weiter mit. Der Höhepunkt könnte zwischen Dezember 2026 und Februar 2027 liegen, in einigen Regionen kann sie bis in das Frühjahr 2027 anhalten.
Auch Cholera könnte in Ländern mit schwacher Infrastruktur zum Problem werden. „Für Reisende ist das Risiko für Cholera-Infektionen im Allgemeinen gering. Je nach Reiseregion und Situation vor Ort sollten Reisende jedoch vermehrt auf Wasser- und Lebensmittelhygiene achten“, erklärte Markus Frühwein von der DFR.
Die Fachgesellschaft rät Reisenden, sich idealerweise vier bis sechs Wochen vor der Abreise reisemedizinisch beraten zu lassen, damit zum Beispiel die Notwendigkeit von Impfungen abgeklärt werden kann.
Fachleuten zufolge könnte es 2026/27 zu einem besonders starken El-Niño-Ereignis kommen. Europa ist im Vergleich zu vielen anderen Weltregionen weniger stark betroffen.
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