Ärzteschaft

2.150 Drogentote in 2025: Jeder vierte unter 30 Jahre

  • Dienstag, 7. Juli 2026
Hendrik Streeck, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen /picture alliance/dpa, Soeren Stache
Hendrik Streeck, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen /picture alliance/dpa, Soeren Stache

Berlin – Für 2.150 Menschen in Deutschland hatte der Konsum von Drogen im vergangenen Jahr tödliche Folgen, jeder vierte Drogentote war jünger als 30. Diese vom Bundeskriminalamt (BKA) erhobenen Zahlen stellte heute Hendrik Streeck (CDU), Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, in Berlin vor.

„Besonders erschüttert mich, dass die Opfer immer jünger werden“, sagte Streeck. Seit 2021 sind die Todesfälle unter 30 um mehr als die Hälfte gestiegen – bei den unter 20-Jährigen haben sie sich nahezu verdoppelt. Streeck machte dafür auch Mischkonsum von Medikamenten, Alkohol und anderen Substanzen verantwortlich.

„Viele dieser jungen Menschen können die Risiken noch nicht oder nicht vollständig überschauen“, so der Drogenbeauftragte. Er nannte als mögliche Gründe junger Menschen, Drogen zu nehmen psychische Belastung und Krisen, aber auch Neugier und Übermut.

Junge Drogentote hätten insbesondere Medikamente konsumiert. Oft beteiligt: Benzodiazepine, opioidhaltige Schmerzmittel und andere psychoaktive Arzneimittel. Den in den allermeisten Fällen zugrundeliegenden Konsum mehrerer Substanzen nannte Streeck „hochgefährlich“.

„Wenn fast jeder vierte Drogentote unter 30 ist, dann darf unsere Antwort nicht Betroffenheit sein, sondern es braucht auch Konsequenzen: mehr Prävention, frühere Hilfe und ein Hilfesystem, das Menschen rechtzeitig erreicht“, so der CDU-Politiker.

Angesichts der knappen Haushalte beim Bund, aber auch den Kommunen mit ihren Hilfeeinrichtungen betonte Streeck: „Wir haben in Deutschland ein gutes Suchthilfesystem, aber wir dürfen es nicht kaputtsparen.“ Gerade Jugendliche bräuchten ausreichend Entzugs- und Therapieplätze. Es müsse Begleitung für Familien geben. Streeck forderte „Angebote, die sie erreichen, bevor aus Risiko ein Todesfall wird“.

Vergiftungen in Verbindung mit Opiaten/Opioiden machen mit 1.316 Toten die meisten Todesfälle aus – gefolgt von Vergiftungen mit Kokain/Crack (769), mit Heroin/Morphin (708), psychoaktiven Medikamenten (696) und mit Opiat-Substituten wie Methadon (611). Vergiftungen in Verbindung mit Amphetaminen lagen 602 Mal vor.

Auffallend ist laut dem Drogenbeauftragten die Ausbreitung synthetischer Opioide: So gab es beispielsweise auch 118 Todesfälle mit Beteiligung von Fentanyl, einem hochpotenten Schmerzmittel, das als Droge in den USA eine tödliche Epidemie ausgelöst hatte.

„Wir sehen auf dem Markt Tabletten, die aussehen wie bekannte Medikamente, aber mit hochpotenten synthetischen Opioiden wie Nitazenen versetzt sind“, so Streeck weiter. Dabei handelt es sich um hochwirksame synthetische Opioide, die viel stärker als Morphin wirken, aber hochgradig giftig sind.

1.777 Rauschgift-Tote waren nach den Zahlen des Bundeskriminalamts männlich, 373 weiblich. Im Durchschnitt waren die Opfer 40,6 Jahre alt. Beim Anteil derjenigen unter 30 gab es seit 2021 eine Steigerung um 53 Prozent, die Zahl der Unter-20-Jährigen hat sich fast verdoppelt.

Bereits seit Jahren fordern die Drogenbeauftragten entschlossenes Handeln gegen steigende Opferzahlen. „Wir müssen schneller, systematischer und konsequenter reagieren auf neue, immer gefährlichere Drogen“, hatte Streeck im vergangenen Jahr gesagt. Zur Vorstellung der aktuellen Zahlen wählte er eine Berliner Arztpraxis, in der Abhängige Diamorphin erhalten, ein Substitutionsmittel.

Streeck kündigte Maßnahmen zur Eindämmung neuer Drogenprobleme an, die die Bundesregierung derzeit ressortübergreifend erarbeite. Ein Teil davon sollen ausgebaute Monitoring- und Frühwarnsysteme für synthetische Opioide sein, dazu kämen mehr Vorbeugung und Hilfeangebote für junge Menschen.

„Die polizeilich registrierten Todesfälle junger Drogenkonsumierender, die polyvalent konsumieren – also verschiedene Substanzen gleichzeitig nehmen – sind leider nur die Spitze des Eisbergs“, warnte Eva Egartner, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) und Geschäftsführerin des Fachverbands Drogen- und Suchthilfe (fdr+).

„In unserer täglichen Arbeit sehen wir eine wachsende Gruppe junger Menschen, die sehr riskant konsumieren. Oft wissen sie nicht, welche Substanzen sie genau zu sich nehmen und können die Folgen nicht abschätzen. Massive psychische und soziale Probleme können die Folge sein, von Konzentrations- und Schlafstörungen bis hin zu Psychosen, Schul- und Ausbildungsabbruch, Bruch mit Menschen im sozialen Umfeld und vieles mehr.“

Egartner wies darauf hin, dass die komplexen und nicht selten konfliktreichen Fälle die Suchthilfe vor enorme Herausforderungen stellen. Gleichzeitig verschärften sich die Rahmenbedingungen dramatisch: Den bestehenden Hilfen würden die finanziellen, personellen und strukturellen Ressourcen fehlen. Aus Sicht der DHS sind ein politischer Kurswechsel und eine spürbare Stärkung der Strukturen notwendig.

dpa/aha

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