Ärzte erwarten von künftiger Regierungskoalition bessere Finanzierung der ambulanten Medizin
Hannover/Berlin – Bei den Sondierungsgesprächen für eine mögliche Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und der FDP sollte die Finanzierung der ambulanten Medizin eine wichtige Rolle spielen. Das fordern die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Niedersachsen und der Hartmannbund.
„Nach Ausschöpfung des begrenzten Budgets arbeiten viele Ärzte und Psychotherapeuten unentgeltlich weiter. Wer jedoch auf das Engagement der Ärzteschaft vertraut, ohne genügend Mittel zur Verfügung zu stellen, unterhöhlt die Grundlage unseres Gesundheitssystems“, sagte der KV-Vorstandsvorsitzende Mark Barjenbruch heute in Hannover.
Die Budgetierung mit ihrer unzureichenden Honorierung sei der Hauptgrund für zunehmende ärztliche Versorgungslücken in den strukturschwachen Regionen, so Barjenbruch. Er monierte, dass rund 20 bis 25 Prozent aller ärztlichen Leistungen nicht bezahlt würden. Notwendige Investitionen in die Praxisausstattung blieben auf der Strecke und die Niederlassung werde zunehmend unattraktiv.
Die Krankenkassen haben nach Ansicht des Vorstandes der KV ausreichend finanzielle Spielräume, um ihre Überschüsse in die Behandlung von Patienten zu investieren. Konkret hätten die Kassen im ersten Halbjahr 2017 einen Überschuss von 1,41 Milliarden Euro erzielt.
Bereits in den vergangenen Tagen hatten verschiedene ärztliche Verbände – zum Beispiel die HNO- und Augenärzte – eine Entbudgetierung zunächst von Grundversorgungsleistungen gefordert.
Laut Hartmannbund (HB) steht die Budgetierung der Gesamtvergütung „für zentrale Fehlentwicklungen des Honorar- und damit in weiten Teilen auch des gesamten Gesundheitssystems“. „Wir springen zu kurz, wenn wir nur über unbezahlte Leistungen sprechen. Wir müssen deutlich machen, dass sich unter dem Druck dieses Deckels das gesamte Gesundheitssystem deformiert hat“, sagte der HB-Vorsitzende Klaus Reinhardt.
Es gehe bei der notwendigen Diskussion über das budgetierte System nicht nur um die Aufhebung des Deckels auf einem Honorartopf, sondern um eine grundsätzliche Neuaufstellung des Vergütungssystems. „Dazu gehört dann endlich auch der Mut einer künftigen Regierung, Themen wie Patientensteuerung, Selbstbeteiligung und Kostenerstattung ideologiefrei und mit Blick auf eine nachhaltige Sicherung unseres Gesundheitssystems auf die Tagesordnung zu setzen“, forderte Reinhardt.
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