Ärzte müssen sich mit Folgen des Cannabiskonsums befassen

Berlin – Ärzte in Deutschland sind jedes Jahr mit Tausenden Fällen psychischer Störungen oder Verhaltensstörungen durch den Konsum von Cannabis befasst. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi).
Demnach wurden 2021 bei 108.313 gesetzlich Krankenvrsicherten im Alter von zehn bis 54 Jahren eine psychische Störung beziehungsweise Verhaltensstörung durch Cannabinoide dokumentiert. Das entspricht einer bundesweiten Diagnoseprävalenz von 29 Fällen je 10.000 GKV-Versicherten.
Dabei lassen laut Zi die untersuchten Abrechnungsdaten ein deutliches Nord-Süd-Gefälle erkennen. Insbesondere in Bayern seien die Prävalenzwerte überwiegend niedrig, vermeldet das Zi.
So weise der bayrische Landkreis Landshut mit sieben Fällen je 10.000 GKV-Versicherten deutschlandweit die niedrigste Prävalenz auf. Die höchsten Prävalenzwerte wurden dagegen im Niedersachsen (Wilhelmshaven, 88 je 10.000), Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein (Pirmasens und Flensburg, je 86 je 100.000) dokumentiert.
„Die Daten geben einen Hinweis darauf, dass sich niedergelassene Ärzte mit den gesundheitlichen Risiken auseinandersetzen müssen, die mit dem Konsum von Cannabis verbunden sind“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried. Die gesundheitlichen Risiken des Cannabiskonsums dürften ebenso wenig unterschätzt werden wie das Suchtpotenzial von Cannabinoiden.
„Aus Studien wissen wir, dass der Konsum von Cannabisprodukten hirnorganische Veränderungen hervorrufen, zu Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen führen sowie psychische Veränderungen auslösen kann“, so von Stillfried. Er befürchtet, dass die geplante Legalisierung von Cannabis die Gefahren des Konsums verharmlose und dadurch das Risikobewusstsein sinke.
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