Ärztekammer Niedersachsen protestiert gegen überbordende Bürokratie

Hannover – Einen zu hohen Zeitaufwand für Datenerfassung und Dokumentation in Klinik und Praxis kritisiert die Kammerversammlung der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN).
„Seit 38 Jahren bin ich Ärztin, aber solche Zustände habe ich noch nicht erlebt“, sagte die Vizepräsidentin der Kammer, Marion Charlotte Renneberg, auf dem Treffen am 24. September. Dies sei Zeit, die Ärztinnen und Ärzten bei der Versorgung fehle, betonte sie.
In der Resolution erinnern die Delegierten, das Ärzte bereits in den 1970er-Jahren erste Verfahren der Qualitätssicherung aufgebaut und weiterentwickelt hätten. „Dies mündete in internen Qualitätsmanagementansätzen, die immer das Ziel hatten, Patientinnen und Patienten auf dem höchst möglichen Qualitätsniveau zu versorgen und dabei Patientensicherheit zu gewährleisten“, heißt es in der Resolution.
Allerdings sei aus einer selbstorganisierten Qualitätsentwicklung in den 2000er-Jahren immer mehr ein Kontrollinstrument geworden, so die Kritik der Kammerversammlung. „Allein während der Coronapandemie in den vergangenen zweieinhalb Jahren ist der bürokratische Aufwand noch einmal extrem gestiegen“, erläuterte Renneberg.
Die Delegierten fordern, die Ressourcen für Dokumentation und Qualitätssicherung sinnvoller einzusetzen. „Eine Aufwand-Nutzen-Abwägung muss zwingend vor jeder einzuführenden Maßnahme erfolgen und darf in keinem Fall zu einer zusätzlichen bürokratischen Belastung der Ärztinnen und Ärzte führen“, heißt es in der Resolution.
Ziel müsse sein, den Dokumentationsaufwand zu reduzieren und Qualitätssicherungs- und Kontrollmaßnahmen in allen Bereichen des Gesundheitswesens abzuschaffen, wenn diese keinen medizinischen patientenorientierten Nutzen erzeugten, so die Kammerdelegierten.
Die Kammerversammlung befasste sich bei dem Treffen außerdem mit dem Thema Klimaschutz sowie mit den stark gestiegenen Energiekosten. „Ärztekammern genießen im Gesundheitswesen ein hohes Ansehen. Ihr Verhalten kann eine wichtige Vorbildfunktion für andere Akteure im Gesundheitswesen entfalten“, heißt es in einer Resolution.
Wichtig seien daher Maßnahmen der Kammern zum Klimaschutz transparent darzulegen und nachhaltig zu wirtschaften, so die Delegierten. Sie forderten außerdem Energiekostenzuschüsse der öffentlichen Hand für Praxen und Kliniken wegen der stark gestiegenen Energiekosten.
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