Ärzteschaft

Ärztekammer und Medizinstudierende gegen Zwangsmaßnahmen zur Förderung der Allgemeinmedizin

  • Montag, 17. August 2015

Berlin/Münster – Gegen Zwangsmaßnahmen zur Förderung der Allgemeinmedizin hat sich die Ärztekammer Westfalen-Lippe ausgesprochen. „Die Förderung des haus­ärztlichen Nachwuchses funktioniert nur über Motivation und Werbung für eine attraktive und erfüllende ärztliche Tätigkeit, nicht über Zwangsmaßnahmen“, heißt es in einem Forderungskatalog zum sogenannten „Masterplan Medizinstudium 2020”. Laut der Kammer sind weder ein Pflichtquartal im Praktischen Jahr noch eine verpflichtende Weiterbildung in der Allgemeinmedizin sinnvoll. „Vielmehr gilt es, die Allgemeinmedizin im Kanon der medizinischen Fächer zu stärken. Beispielsweise müssen alle medizi­nischen Fakultäten über einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin verfügen“, hieß es aus der Kammer.

Deren Präsident Theodor Windhorst forderte, angehende Ärzte umfassend auf die Versorgung von Patienten vorzubereiten. Das bedeute nicht nur die Aneignung von medizinischem Fachwissen. Man müsse dem medizinischen Nachwuchs auch eine Perspektive über die Approbation hinaus bieten. „Nachwuchsentwicklung hört nicht beim approbierten Arzt auf, sondern umfasst auch die Frage: Wo wollen die angehenden Ärzte künftig tätig sein?“ sagte Windhorst.

Gegen Zwangsmaßnahmen kämpft auch die Bundesvertretung der Medizinstu­dieren­den in Deutschland (bvmd). Sie sieht bei der Förderung der Allgemeinmedizin vor allem die medizinischen Fakultäten in der Pflicht: Über die Einrichtung eines Lehrstuhls an allen Standorten sowie die Integration allgemeinmedizinischer Lehrinhalte während der gesamten Studiendauer werde das Fach aufgewertet. Außerdem sollten Förderpro­grammen Medizinstudierende für diese Fachrichtung gewinnen, erläuterte ein bvmd-Sprecher gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

In ihrer Stellungnahme zum von der Bundesregierung geplanten „Masterplan Medizinstudium 2020“ hat die Bundesärztekammer (BÄK) gefordert, die Studien­platzvergabe zu reformieren und neben der Abiturnote weitere Kriterien für das Auswahlverfahren heranzuziehen. Stärker berücksichtigt werden sollen nach Ansicht der BÄK unter anderem psychosoziale Kompetenzen, soziales Engagement und einschlägige Berufserfahrung.

Eine umfassende Reform des Medizinstudiums fordert der Marburger Bund. Die Ärztegewerkschaft nennt als Maßnahmenvorschläge eine zielgerichtete Auswahl von Studienbewerbern, mindestens zehn Prozent mehr Medizin-Studienplätze, mehr Praxisnähe und die Abschaffung von sogenannten Teilstudienplätzen.

hil

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