Ärzteschaft

Ärzteparlament nimmt Folgen des Klimawandels ins Visier

  • Freitag, 29. Oktober 2021
/Pixel-Shot, stock.adobe.com
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Berlin – Zum 125. Mal treffen sich Deutschlands Ärzte am Montag und Dienstag kommender Woche zum Deutschen Ärzte­tag. Es ist das zweite Treffen in diesem Jahr und zugleich das erste große Präsenztreffen der verfassten Ärzteschaft seit Beginn der Coronapan­demie.

Bereits im Mai hatte es eine ausschließlich digitale Versammlung des Ärzteparlaments gegeben. Auch das zusätzliche Treffen ist noch kein normaler Ärztetag: Die Beratungen finden als sogenannte Hybrid­veranstaltung statt, die Teilnehmerzahl vor Ort ist begrenzt auf 250 Delegierte.

Gut fünf Wochen nach der Bundestagswahl fällt die Zusammenkunft in politisch besonders spannende Zeiten. „Nach den Erfahrungen aus der Coronapandemie muss die Gesundheitspolitik eines der zentralen Handlungsfelder der neuen Bundesregierung werden“, fordert der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Klaus Reinhardt, mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen. „Viele Reformen dulden einfach keinen Aufschub mehr.“

Notwendig seien zudem wirksame Eindämmungsmaßnahmen gegen eine zunehmende Kommerzialisie­rung des Gesundheitswesens, so der Ärztepräsident. Reinhardt nennt zentrale Handlungsfelder und for­dert ein gesundheitspolitisches Sofortprogramm der neuen Bundesregierung: Unter anderem müssten die Krankenhausplanung und auch die Krankenhausvergütung neu gedacht und am tatsächlichen Be­handlungsbedarf der Patienten ausgerichtet werden, betonte er.

Klar ist: Die Coronapandemie hat die Debatte über die Krankenhauslandschaft stark verändert. Noch 2019 hatte eine Studie der Bertelsmann Stiftung gefordert, die Zahl der Kliniken von bisher etwa 1.900 Häusern auf rund 600 Großkliniken herunterzufahren. Die Pandemie hat deutlich gemacht, dass eine durchdachte Grund- und Regelversorgung auch in länd­lichen Räumen notwendig ist.

Zugleich räumen auch Krankenhausbetreiber ein, dass es insbesondere in Ballungsräumen und großen Städten Überversorgung gibt. Wichtig wäre also eine an die jeweilige Region angepasste Krankenhaus­pla­nung. Dabei würde eine gewisse Spezialisierung der Kliniken auch mehr Qualität bedeuten. Studien haben gezeigt, dass Ärzte bestimmte Eingriffe umso besser ausführen, je mehr Übung sie haben.

Auch bei der Ausstattung können kleinere Häuser nicht mithalten. Andererseits müssten kleinere Häuser auch dafür honoriert werden, wenn sie die Grundversorgung in ihrer Region aufrecht erhalten. Die ge­gen­wärtige Klinikfinanzierung über Fallpauschalen ist aber so ausgelegt, dass sie komplizierte Eingriffe vergleichsweise hoch vergütet und den medizinischen Alltag eher niedrig.

Reinhardt fordert zugleich, dass der Gesetzgeber die durch die Pandemie liegen gebliebene Reform der Notfallversorgung angeht. Experten sind sich weithin einig, dass die bestehenden Grenzen zwischen dem ärztlichen Bereitschaftsdienst, dem Rettungsdienst und den Notaufnahmen der Krankenhäuser zu Rei­bungsverlusten führen, den Patienten nicht dienen und zu finanziellen Verlusten führen.

Debattieren will der Ärztetag auch über Strukturreformen im Bereich des Öffentlichen Gesundheits­diens­tes – durch Corona war sichtbar geworden, dass dieser Bereich über Jahre vernachlässigt wurde.

Und nicht zuletzt wollen die Ärztevertreter Druck für die Verabschiedung einer Reform der Gebührenord­nung aufbauen. Sie ist die Grundlage für die Vergütung von Arztleistungen, die nicht durch die Sozial­ver­sicherung abgedeckt werden.

Ein zentrales Schwerpunktthema des Ärztetages sind die gesundheitlichen Auswirkungen des Klima­wan­dels: „Immer häufiger kommt es auch in Deutschland zu Hitzewellen, die vor allem für ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen tödlich verlaufen können“, sagt Reinhardt.

Auch mit Blick auf die klimabedingte Verbreitung tropischer Krankheiten müssten Strategien entwickelt werden – ebenso wie eine Verkleinerung des CO2-Fußabdrucks des Gesundheitswesens erforderlich sei.

kna

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